"American Cinema Restored": Kinohochblüte mit Schattengewächsen

9. Dezember 2014, 17:17
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Das Filmmuseum beendet sein Jubiläumsjahr mit prächtigen US-Filmen in neuen Kopien

Wien - Martin Scorsese ist für sein Engagement für das Filmerbe bekannt. Zum Auftakt der Retrospektive "American Cinema Restored" im Filmmuseum erinnerte der Ehrenpräsident des Hauses per Videobotschaft nochmals an die Bedeutung der Erhaltung von Filmen sowie ihrer Restaurierung. Die von Scorsese 1990 gegründete Film Foundation hat vielen US-Filmen und internationalen Produktionen das Überleben gesichert. Dank solcher Initiativen ist aber auch das Bewusstsein für diese wichtige Praxis enorm gestiegen.

Das Filmmuseum, dem Scorsese seine Glückwünsche zum runden Geburtstag übermittelte, schließt das Jahr nun mit einem Programm ab, das 48 dieser "geretteten" US-Filme - hauptsächlich aus der klassischen Hollywood-Ära (1928 bis 1963) - in ihrer ganzen Pracht wieder zugänglich macht. Ein gelungener Ausklang, ging es in den letzten Monaten doch regelmäßig um die Bewahrung des Mediums, um Filmpräsentation in seiner angemessensten Form.

Die Schau versammelt einerseits kanonisierte Werke wie Charles Laughtons einzige, märchenhaft-dämonische Regiearbeit The Night of the Hunter, Budd Boettichers existenzialistischen B-Western Seven Men From Now oder John Cassavetes' Fanal für ein offeneres Kino, Shadows. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf Arbeiten, die (oft zu Unrecht) marginalisiert wurden, nun aber gerade aus dem Abseits besondere Strahlkraft entwickeln.

Die Rede ist etwa von Force of Evil, einem antikapitalistischen Gangsterdrama um Wettbetrug, das seinen Regisseur Abraham Polonskys auf McCarthys schwarze Liste beförderte - John Garfield, dessen Star, ist überdies in der kontrastreich-harten Hemingway-Adaption The Breaking Point zu sehen.

Einen anderen Weg beschritt auch die Britin Ida Lupin, eine der ersten Regisseurinnen Hollywoods. In The Bigamist erzählt sie von einem Mann, der zwei Frauen liebt, und zwar aufrichtig. Das ist selbst in der Gegenwart kaum mehr vorstellbar. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 10.12.2014)

Bis 8. Jänner

  • Ein Film über ein korruptes System: John Garfield (re.) in Abraham Polonskys Film noir "Force of Evil".
    foto: österreichisches filmmuseum

    Ein Film über ein korruptes System: John Garfield (re.) in Abraham Polonskys Film noir "Force of Evil".

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