Kritik an missglückter Geiselbefreiung im Jemen

8. Dezember 2014, 22:48
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US-Botschaft in Südafrika verteidigt Kommandoaktion

Johannesburg/Sanaa/Washington - Nach dem Tod zweier Al-Kaida-Geiseln im Jemen wächst der Unmut über die missglückte Kommandoaktion der USA. Die Stiefmutter des getöteten US-Fotojournalisten Luke Somers sagte am Montag der Zeitung "The Times", die Familie hätte weitere Verhandlungsversuche einer gewaltsamen Befreiung vorgezogen.

Die US-Botschaft in Pretoria rechtfertigte das Vorgehen der Einsatzkräfte. Über die bevorstehende Freilassung der ebenfalls getöteten südafrikanischen Geisel seien die USA nicht informiert worden.

Geiseln angeschossen

Somers und der südafrikanische Lehrer Pierre Korkie waren am Samstag bei einem Kommandoeinsatz von US-Spezialkräften im Südosten des Jemen getötet worden. Die Geiseln wurden nach Angaben Washingtons bei einem Feuergefecht von den Entführern angeschossen. Beide erlagen später ihren Verletzungen. Korkie hätte laut einer südafrikanischen Hilfsorganisation nach monatelangen indirekten Verhandlungen mit Al-Kaida-Vertretern noch am Wochenende freigelassen werden sollen.

Die US-Botschaft in Pretoria betonte, die USA seien über die jüngsten Entwicklungen im Fall des Südafrikaners nicht informiert worden. Es sei nicht ersichtlich gewesen, dass dieser am gleichen Ort wie Somers festgehalten wurde. "Wir haben angesichts der verfügbaren Informationen gehandelt, um Leben zu retten", hieß es in der Erklärung der Botschaft. US-Botschafter Patrick Gaspard verwies in einem Radiointerview außerdem auf die "unmittelbare" Gefährdungslage, nachdem die Entführer in einem Video damit gedroht hatten, den im vergangenen September entführten Somers binnen 72 Stunden zu töten.

Die Familie des britischstämmigen Fotojournalisten kritisierte jedoch den missglückten Einsatz. Somers Vater Michael sagte der BBC, hätte es keinen Rettungsversuch gegeben, wäre sein Sohn noch am Leben. Die Stiefmutter des 33-Jährigen sagte mit Blick auf das Video der Geiselnehmer: "Es gab schon vorher Drohungen, die nicht wahrgemacht wurden."

Lösegeldforderungen

Korkies Witwe erklärte am Sonntagabend hingegen, ihre Familie habe sich entschieden zu "vergeben". "Wir haben uns entschieden, uns bei den Gedanken an Pierre zu freuen und ihn in unseren Herzen weiterleben zu lassen", anstatt einen Streit um seine missglückte Befreiung zu führen.

Für den südafrikanischen Lehrer hatten die Geiselnehmer ursprünglich drei Millionen Dollar Lösegeld gefordert. Nach Angaben der Organisation Gift of the Givers wurde diese Summe nach monatelangen Verhandlungen auf 200.000 Dollar reduziert. Demnach stand die Freilassung des 57-Jährigen unmittelbar bevor. Der Südafrikaner und seine Frau Yolande waren Ende Mai 2013 in der Stadt Taes entführt worden, wo sie seit vier Jahren als Lehrer arbeiteten. Yolande wurde im Jänner freigelassen.

Die südafrikanische Opposition forderte eine Aufarbeitung der missglückten Kommandoaktion. Offenbar habe es keine Absprache zwischen den Geheimdiensten in Pretoria und Washington gegeben, sagte der Abgeordnete der Demokratischen Allianz, Stevens Mokgalapa. "Die linke Hand wusste nicht, was die Rechte tat." Ein Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums kündigte an, sich um Aufklärung zu bemühen. Ob die Regierung über die Verhandlungen zwischen den Geiselnehmern und Gift of the Givers informiert war, ließ er offen.

Auch im Jemen sorgte der Einsatz, an dem eine einheimische Spezialeinheit beteiligt war, für Diskussionen. Stammesvertreter in der Provinz Shabwa beklagten den Tod von sieben Zivilisten. Der Anführer des einflussreichen Stammes Al-Awlaki forderte Entschädigungszahlungen der Regierung. Fünf der Getöteten waren demnach Angehörige eines Al-Kaida-Mitglieds. Nach Angaben der jemenitischen Regierung wurden bei dem Einsatz am Samstag außerdem zehn mutmaßliche Al-Kaida-Kämpfer getötet. Vier jemenitische Soldaten seien verletzt worden. (APA, 8.12.2014)

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