Stadtstrandpläne der Kunstuni Linz verlaufen im Sand

9. Dezember 2014, 00:00
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Kunstuni war mit dem Projekt beauftragt - ÖVP verfolgt nun aber neue Idee bei Brucknerhaus und SPÖ spielt mit

Linz - Die Irritation ist groß: Vorige Woche präsentierte die Linzer ÖVP Ideen für einen Strand an der Donaulände, obwohl es einen fertigen Plan für einen Stadtstrand gibt. VP-Stadtparteichef Bernhard Baier meint aber, dieser Versuch habe "zu keinem Ergebnis geführt". Davon wissen die Projektanten allerdings nichts: "Mit uns hat keiner geredet", sagt Roland Gnaiger, Professor an der Linzer Kunstuni. Seine Architekturstudenten hatten im Frühjahr den Entwurf für einen Donaustrand zwischen Brucknerhaus und Parkbad vorgelegt. VP, regierende SP, Grüne und FP sprachen sich für eine rasche Realisierung aus.

Bürgermeister Klaus Luger (SP) verkündete noch im Sommer, die nötigen Schritte einzuleiten, damit es 2015 losgehen könne. Stadtverwaltung und Kunstuni arbeiten seither an der Weiterentwicklung. Im Bereich der Grünflächen sollten Sand- und Schatteninseln und eine ellipsenförmige Wassermulde entstehen, auf der Kuppe des Damms eine "Gustiermeile".

Verwunderte Grüne

"So der Stand der Dinge bis Dezember", sagt Stadträtin Eva Schobesberger (Grüne), die die neue Idee der VP, vor und neben dem Brucknerhaus Sand aufzuschütten, verwundert. Die Idee dahinter: Freizeit- und Kultureinrichtungen würden sich zur Donau öffnen; die Terrassen des Brucknerhauses böten Platz für Bars.

Noch mehr Verwunderung erntete Vizebürgermeister Christian Forsterleitner (SP), als er einen Tag nach der Präsentation meinte: Die Idee "gefällt mir sehr gut". Sie habe "Charme", und man solle mit "Hochdruck" daran arbeiten.

"Über Öffentlichkeit informiert"

Diesem Reiz ist die Direktion der Veranstaltungsgesellschaft Liva, die das Brucknerhaus bespielt, nicht erlegen. Konzertgäste bei Open-Air-Veranstaltungen an den Strand zu schicken sei unpassend. Für die Kunstuni ist seit vergangener Woche klar: "Unser Konzept ist im Sand verlaufen", sagt Gnaiger. Beim Bürgermeister nachzufragen, dazu habe er "keine Lust. Denn ich weiß, woran ich bei einem Partner bin, der nicht zuerst den anderen, sondern die Öffentlichkeit informiert." Offensichtlich wolle die SP beim Donaustrand jetzt lieber mit der VP "gemeinsame Sache" machen.

Bisher an der Politik gescheitert

Die Idee, nach dem Vorbild anderer Städte - wie Wien oder dem 130.000 Einwohner großen Würzburg - am Fluss einen urbanen Naherholungsbereich mit Chillout-Zonen, Open-Air-Bühnen und Gastronomie zu schaffen, scheiterte bisher an der Politik. Als sich Anfang des Jahres die Facebook-Initiative "Linz braucht einen Strand" gründete und innerhalb kürzester Zeit mehr als 70.000 Likes zählte, kam es zum Meinungsumschwung. Der Gemeinderat beschloss, einen Strandbetrieb zu ermöglichen.

"In der Schublade gelandet"

Sofort waren drei Interessenten zur Stelle, die an der Donaulände zwischen Lentos und Brucknerhaus Großes vorhatten. Zu groß für den Bürgermeister, woraufhin die Projekte zurückgezogen wurden. Stattdessen beauftragte Luger die Kunstuni, für eine Fläche von maximal 400 Quadratmetern in der Höhe des Linzer Parkbades ein Konzept zu entwickeln, "das nun in der Schublade gelandet ist", wie Gnaiger meint. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 9.12.2014)

  • Die ÖVP stellt sich den Linzer Stadtstrand beim Brucknerhaus nun so vor. Auch für die SPÖ hat der Vorschlag "Charme".
    foto: www.sonaar.at

    Die ÖVP stellt sich den Linzer Stadtstrand beim Brucknerhaus nun so vor. Auch für die SPÖ hat der Vorschlag "Charme".

  • Die überraschend gekommene neue Idee sieht viel Sand vor und neben dem Brucknerhaus vor.
    foto: www.sonaar.at

    Die überraschend gekommene neue Idee sieht viel Sand vor und neben dem Brucknerhaus vor.

  • Die Linzer Kunstuniversität hatte auf Wunsch der Stadt diesen Entwurf erarbeitet.
    foto: kunstuniversität linz

    Die Linzer Kunstuniversität hatte auf Wunsch der Stadt diesen Entwurf erarbeitet.

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