Tanz in den Ruhestand

9. Dezember 2014, 09:23
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Gregor Hatala beendet mit "Mayerling" seine Karriere

Wien - Für jeden professionellen Balletttänzer kommt der Moment des Aufhörens nach einer elativ kurzen Zeitspanne. Gregor Hatala war fast 25 Jahre Ensemblemitglied des Staatsballetts und geht nun mit 40 in Pension. "Es war eine gute Zeit, aber jetzt bin ich froh, dass die tägliche Quälerei ein Ende hat", so der beliebte Solist.

In den vergangenen Jahren war er kaum auf der Staatsopernbühne zu sehen gewesen - Ballettchef Legris hatte ihn nicht besetzt. Das Verhältnis der beiden war nicht ganz friktionsfrei. Legris, der das von seinem Vorgänger Gyula Harangozó abgeschaffte System der "Ersten Solisten" wieder einführte, sprach Hatala den früher geführten Titel nicht wieder zu.

Heute sind alle Konflikte beigelegt, und Hatalas Karriere wurde mit einer Abschiedsvorstellung bedankt, in der er zeigen konnte, was sein Können ausmacht. Kenneth MacMillans neoklassischem Handlungsballett Mayerling liegt die Geschichte des Selbstmordes von Kronprinz Rudolf und seiner letzten Geliebten Mary Vetsera zugrunde. Hatala tanzte die Hauptrolle in diesem modernen Klassiker von 1978 zuletzt vor vier Jahren mit Bravour. "Es ist die Rolle aller Rollen, in der man so viele Facetten zeigen kann, tänzerisch und darstellerisch", sagt Hatala.

Tatsächlich ist Mayerling, dem man eine leichte dramaturgische Angestaubtheit nachsagen kann, ein choreografisch höchst diffiziles Werk, das von den Tänzern eine Beweglichkeit jenseits der klassischen Technik erfordert. Es muss rund getanzt werden, und die extremen Hebefiguren verlangen vor allem von Rudolf maximale Präzision der Griffe, da sonst die vielen Partnerinnen in Schwierigkeiten kämen. Mayerling verfügt nämlich über zahlreiche Pas de deux, die alle Beteiligten ordentlich zum Schwitzen bringen.

Hatala meisterte seinen Part großartig und war eine Stütze für Rollendebütantin Nina Poláková als Mary Vetsera. Guillermo Garcia Calvo verantwortete als Dirigent intensive Klänge der von John Lanchberry orchestrierten Werke Franz Liszts. Für seinen Schöpfer Macmillan wurde Mayerling übrigens zum Schicksalsstück - er verstarb 1992 während einer Aufführung hinter der Bühne des Royal Opera House Covent Garden.

Schade, dass in der jetzigen Besetzung keine Wiederholungen angesetzt sind - Hatala würde sich vermutlich noch steigern. Doch nun beginnt sein neues Leben als Kulturmanager, Showtänzer, Präsident des Österreichischen Tanzrats und Obmann der "Vereinigung Wiener Staatsoper". (Barbara Freitag, DER STANDARD, 9.12.2014)

  • Gregor Hatala im Jahr 2008 (mit Maria Yakovleva). In der aktuellen Serie tanzt Gergor  Hatala gemeinsam mit Nina Poláková, die ihr Rollendebüt als Mary Vetsera gibt.
    foto: axel steininger, wiener staatsoper

    Gregor Hatala im Jahr 2008 (mit Maria Yakovleva). In der aktuellen Serie tanzt Gergor Hatala gemeinsam mit Nina Poláková, die ihr Rollendebüt als Mary Vetsera gibt.

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