CSU fordert Deutschpflicht: Dahoam reds es Boarisch!

Kommentar8. Dezember 2014, 17:40
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Jeder weiß, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Doch Deutsch lässt sich nicht verordnen

Also gut, zuerst die humoristische Seite der CSU-Idee, wonach auch Migranten in ihren eigenen vier Wänden Deutsch sprechen sollen: Jo zefix, wäre da nicht auch der eine oder andere CSU-Stammwähler ziemlich überfordert? Und wenn man die Idee konsequent weiterdenkt: Wann kommt die Pflicht zu Lederhose und Dirndlkleid, zu Schweinshaxe und Weißbier?

Auch wenn der Leitantrag nun noch einmal geändert wird: Der Schaden bleibt. Wieder einmal ist es der CSU gelungen, sich mit minimalem Aufwand maximal in Szene zu setzen - auf Kosten von Ausländern.

Neu ist das ja nicht. Zu Jahresbeginn ging es gegen angebliche Massen sozialschmarotzender Rumänen und Bulgaren. "Wer betrügt, der fliegt", hieß es damals. Die Pkw-Maut für Ausländer, auf deren Umsetzung die Welt bis heute wartet, stößt ins selbe Horn: Uns kann keiner was; wenn es gegen Ausländer geht, sind wir dabei.

Jeder weiß, dass Sprache der Schlüssel zur Integration ist. Doch Deutsch lässt sich nicht verordnen, sondern nur - oft mühsam - erlernen. In Integrationskursen beispielsweise, aber nicht per "ordre de Seehofer" am Küchentisch.

Selbst der CSU ist das klar. Aber getreu dem Motto "rechts von uns darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben" kann man ja wieder einmal einen Schuss abfeuern, um mit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) auf gleicher Augentiefe mitzuhalten. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 9.12.2014)

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