"Nicht ganz top, auch nicht ganz schlecht"

8. Dezember 2014, 17:06
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Österreichs Skirennfahrer haben in Amerika vor allem Erkenntnisse gewonnen. Der Weltcup wird nun im schwedischen Aare fortgesetzt

Beaver Creek/Lake Louise - Das Kreuzband hält. Lindsey Vonn geht's gut. Die Reise nach Aare erspart sich der US-Skistar dennoch. Riesentorlauf und Slalom sind nicht ihre Spezialitäten. Vonn wird in Beaver Creek trainieren, um dann in Val d'Isère am Wochenende vor Weihnachten wieder im Weltcup abzufahren. Die Konkurrenz darf sich fürchten. Das Training wird sie kaum schlechter machen. Und schon in Lake Louise, bei ihrem Comeback nach zwei Kreuzbandrissen, siegte die 30-Jährige, wurde zudem im Super-G hinter Lara Gut Zweite. Mit nun 60 Weltcupsiegen fehlen ihr nur noch zwei auf die Bestmarke von Annemarie Moser-Pröll. "Das ist wirklich unglaublich und sehr emotional. Ich genieße diesen Sieg sehr, denn es war ein langer Weg zurück", sagte Vonn.

Den Weg zurück auf das oberste Podest hat auch Hannes Reichelt geschafft. Erstmals nach seiner Bandscheibenoperation gewann der Salzburger am Samstag wieder - den Super-G. Der 34-Jährige sorgte damit für den einzigen Erfolg der ÖSV-Herren an den beiden Nordamerika-Wochenenden. In fünf Rennen gab es zudem zwei Stockerlplätze.

ÖSV-Herrencheftrainer Andreas Puelacher kommentierte das so: "Nicht ganz top, aber auch nicht ganz schlecht." Das Sorgenkind ist die Abfahrt. In Beaver Creek war Max Franz als Siebenter bester Österreicher, eine Woche davor in Lake Louise war es Reichelt als Neunter. Puelacher: "Sie fahren technisch sehr gut Ski. Was fehlt, ist noch der Speed." Im Super-G hingegen habe man "eine brutal gute Mannschaft".

Im Riesentorlauf besteht die ÖSV-Elite aus Marcel Hirscher und Benjamin Raich. Die beiden belegten am Sonntag beim Sieg des US-Amerikaners Ted Ligety die Ränge drei und vier. Schon in Sölden waren sie die mit Abstand Besten ihres Teams. Die meisten ÖSV-Läufer fielen in Beaver Creek im zweiten Lauf zurück, nicht nur Raich von eins auf vier. Aber bei einigen sei nach mehr als drei Wochen Nordamerika schon "Flasche leer" gewesen, sagte Puelacher wie einst Giovanni Trapattoni.

Die Probe für den Ernstfall WM in acht Wochen - in Vail und Beaver Creek - fiel aus Sicht des Tirolers insgesamt positiv aus. "Wir hätten in drei Rennen zwei Medaillen gemacht."

Auch Hirscher, der neben dem Riesentorlauf den Super-G (Ausfall) und ein Abfahrtstraining bestritt, sah "ein gutes Training für die WM". Als Weltcup-Zweiter trat er die Rückreise nach Europa an. Es stört ihn nicht. "Mir geht es derzeit gar nicht so sehr um den Gesamtweltcup. Wichtig ist, dass ich konstant vorne mitfahren kann." Gegen den vierten Gesamtsieg in Folge hätte der 25-Jährige wohl trotzdem nichts. Hirscher aber warnt: "Viele haben gesagt, es wird ein Spaziergang für mich, weil Aksel Lund Svindal verletzt ist. Aber da sind einige andere, und Kjetil Jansrud ist im Moment sowieso der Beste. Wenn ich eine Chance gegen ihn haben will, muss ich besser sein als am Sonntag im Riesentorlauf. Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt." Jansrud quittierte dies mit einem Lächeln. "Er schiebt jetzt alles auf mich, eine schlaue Taktik."

Jansrud und Maze

Der Norweger ist derzeit in den Speeddisziplinen das Maß aller Dinge, holte in zwei Abfahrten und zwei Super-G drei Siege und einen zweiten Platz. Im Weltcup führt der 29-Jährige mit 412 Zählern, um 172 mehr als Hirscher.

Jansruds Pendant bei den Damen ist Tina Maze. Die Slowenin, 2013 Siegerin der Gesamtwertung, liegt 117 Punkte vor Titelverteidigerin Anna Fenninger. Nach Platz zwei in der Abfahrt am Freitag und Rang neun am Samstag wurde die Salzburgerin im Super-G am Sonntag Achte. "Ich bin viel zu rund gefahren." Grundsätzlich habe sie es drauf, es hapere an der Umsetzung. Verunsichern lässt sich die 25-Jährige aber nicht. "Ich weiß, dass ich weiterarbeiten muss, dann kommen meine Stärken hoffentlich zum Vorschein." Im Riesentorlauf kamen ihre Stärken schon in Sölden zum Vorschein - Fenninger siegte ex aequo mit Mikaela Shiffrin. Anfang März siegte sie alleine, dafür gleich doppelt. In Aare. Nächster Programmpunkt: Freitag, Riesentorlauf, Aare. (red, APA - 9.12. 2014)

  • Der Weltcuptross verabschiedet sich aus Nordamerika, etwa aus Kanada mit seinen putzigen Mounties. Es geht nun ins Schwedische, genauer: nach Aare.
    foto: apa/epa/sturk

    Der Weltcuptross verabschiedet sich aus Nordamerika, etwa aus Kanada mit seinen putzigen Mounties. Es geht nun ins Schwedische, genauer: nach Aare.

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