Einkommensungleichheit bremst Wachstum aus

9. Dezember 2014, 05:30
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Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in vielen OECD-Ländern so groß wie seit 30 Jahren nicht, die Investitionslücke Bildung schadet langfristig

Paris - Wachsende Einkommensungleichheit gefährdet die Wirtschaftsentwicklung. Davor warnt die OECD in einem Arbeitspapier, das am Dienstag veröffentlicht wird. Demnach ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den meisten OECD-Ländern auf dem höchsten Level seit 30 Jahren. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verdienen 9,5-mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent. In den 1980er-Jahren betrug das Verhältnis 7:1.

Den größten negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat laut der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aber nicht die Ungleichheit am oberen Ende dieser Skala, sondern vor allem das stärkere Auseinanderdriften der ärmsten 40 Prozent und des bessergestellten Rests der Bevölkerung. Die unteren Einkommen steigen in prosperierenden Jahren nicht nur langsamer, sie fallen bei Abschwüngen auch wieder zurück.

Investitionslücke Bildung

Die Berechnungen auf Basis harmonisierter Daten der OECD-Länder haben ergeben, dass Einkommensungleichheit das kontinuierliche Wachstum signifikant bremst. Dass Haushalte mit niedrigen Einkommen gegenüber der Bevölkerungsmehrheit zurückbleiben, schade mehr als der Umstand, dass Haushalte mit höheren Einkommen davonziehen, warnt die OECD.

Hinzu kommt, dass ärmere Gruppen in der Regel weniger in Bildung investieren, was wiederum die soziale Mobilität und die Ausbildung von Kompetenzen im jeweiligen Land negativ beeinflusse. Steigende Ungleichheit bremst das Wirtschaftswachstum hauptsächlich dadurch, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien weniger Bildungschancen haben. Im OECD-Durchschnitt liegen die Bildungsleistungen von Kindern, deren Eltern geringgebildet sind, unter jenen von Kindern von Akademikern oder Eltern mit mittlerer Bildung.

In Ländern, in denen darüber hinaus die Einkommen ungleicher verteilt sind, verschlechtern sich die Ergebnisse dieser Kinder wesentlich. Für die Bildungsleistungen von Akademikerkindern hingegen spiele steigende Einkommensungleichheit kaum eine Rolle. Gleiches gilt für Bildungsbeteiligung, sie nimmt bei sozial Schwachen ab. OECD-Generalsekretär Ángel Gurria: "Der Kampf gegen Ungleichheit muss ins Zentrum der politischen Debatte rücken."

Kampf gegen Ungleichheit

"Wir können nur auf starkes und dauerhaftes Wachstum zählen, wenn wir der hohen und weiterwachsenden Ungleichheit etwas entgegensetzen", sagte OECD-Generalsekretär Ángel Gurria. "Der Kampf gegen Ungleichheit muss ins Zentrum der politischen Debatte rücken." Wachsen und gedeihen würden vor allem jene Länder, deren Ziel es sei, ihren Bürger von klein auf gleiche Chancen zu eröffnen.

Wiewohl einige Länder das Pensionsantrittsalter erhöht haben: Besorgniserregend für den öffentlichen Haushalt wirkt die ebenfalls von der OECD erstellte Projektion der Ausgaben für das öffentliche Pensionssystem ins Jahr 2050: Gibt Österreich aktuell rund zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Pensionen aus, werden es in 35 Jahren bereits rund 17 Prozent sein. Weiter geht die Schere nur bei Belgien, Slowenien und Luxemburg auf. Sie wenden aktuell etwa gleich viel auf für ihre Rentner, die Ausgaben für das Pensionssystem steigen aber noch rascher als jene in Österreich und Italien. (ung, DER STANDARD, 9.12.2014)

Hier geht es zur OECD-Studie

  • Die wachsende Ungleichheit sorgt schon länger auch die Eliten - aus gutem Grund, wie ein aktuelles OECD-Papier zeigt.
    foto: reuters/silva

    Die wachsende Ungleichheit sorgt schon länger auch die Eliten - aus gutem Grund, wie ein aktuelles OECD-Papier zeigt.

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