Rom versinkt im Sumpf der Mafia-Affären

8. Dezember 2014, 14:14
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22 Jahre nach der Schmiergeldaffäre "Tangentopoli", die ein politisches Erdbeben auslöste, erschüttern jetzt die Ermittlungen um die "Hauptstadt der Korruption"

Rom - 22 Jahre nach der Schmiergeldaffäre "Tangentopoli", die in Mailand ein politisches Erdbeben ohne gleichen ins Rollen gebracht hatte, erschüttern jetzt die Ermittlungen um die "Hauptstadt der Korruption" die italienische Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt steht der Gemeinderat der 3,5 Millionen Metropole Rom, in dessen Dunstkreis sich laut Ermittlern eine besonders einflussreiche Mafia entwickelt hat.

Kein Tag vergeht, ohne dass neue Skandale auffliegen, die namhafte Persönlichkeiten, darunter Politiker und Unternehmer, betreffen. Die Mafia in Rom, die auf lokaler Ebene entstanden und nicht aus Sizilien oder Kalabrien importiert wurde, hat ihre Wurzeln in einem rechten politischen Sumpf unter dem früheren Bürgermeister Gianni Alemanno (2008-2013).

Alemanno, Landwirtschaftsminister in der Regierung Berlusconi zwischen 2001 und 2006 , ist arg unter Druck geraten. Aus von den Ermittlern abgehörten Telefongesprächen geht hervor, dass er mehrere Reisen mit Geldkoffern nach Argentinien unternommen haben soll, um die Summen in Sicherheit zu bringen, die die mafiöse Organisation dank Korruption, Erpressung und illegal erhaltenen öffentlichen Aufträgen kassiert hat, berichtete die Tageszeitung "La Repubblica" am Montag. Dabei soll der frühere Bürgermeister, dank der Verbindungen der Organisation, den Kontrollen auf dem römischen Flughafen Fiumicino entgangen sein.

Alemanno bestreitet die Vorwürfe vehement. "Ich habe nie Geld ins Ausland gebracht. Ich bin der einzige römische Bürgermeister, der ärmer als zu Beginn seines Mandats ist. Ich habe eine Wohnung verkaufen und ein Kredit aufnehmen müssen, um meine Wahlkampf-Schulden zu zahlen", betonte der Rechtspolitiker.

Der König von Rom

Boss der römischen Mafia ist laut Ermittlern der 56-jährige Massimo Carminati, den seine Freunde "König von Rom" nennen. In seiner Jugend tat er sich als rechtsradikaler Schläger hervor und gehörte wie Ex-Bürgermeister Alemanno zur neofaschistischen Gruppierung "Movimento Sociale Italiano". Sein wichtigster Komplize ist Salvatore Buzzi, der in den achtziger Jahren eine Haftstrafe wegen Mordes verbüßte. Dieser soll nach seinen 24 Haftjahren ein ganzes Netz an Subunternehmen aufgezogen und ihnen öffentliche Aufträge zugeschanzte haben, indem er Gemeindefunktionäre bestach und bedrohte. So soll das Netzwerk nach Angaben der Ermittler etwa die Bewirtschaftung öffentlicher Parkanlagen, Teile der Müllabfuhr sowie die Betreuung von Asylwerbern und Sozialhilfeprogramme für Roma übernommen haben und damit Millionen verdient haben.

Der Skandal ist ein harter Imageschlag für das Land, vor allem vor dem Hintergrund des auslaufenden italienischen EU-Vorsitzes. Premier Matteo Renzi verlangt hartes Durchgreifen gegen die Mitglieder der Mafia-Bande. Diese Verbrecher erfüllten ihn "mit Ekel", dürften Rom aber nicht blockieren. Deshalb lehnt der Regierungschef auch die von Oppositionsparteien geforderten Neuwahlen in Rom ab. Der seit Juni 2013 amtierende Bürgermeister Ignazio Marino, ein Parteikollege Renzis, ist von den Enthüllungen nicht betroffen und soll der Organisation sogar Widerstand geleistet haben, wie aus den Abhörprotokollen der Ermittler hervorgeht. Er spüre nun noch mehr Motivation "für die Erneuerung der Stadt zu arbeiten", sagte Marino am Sonntag. "Rom ist keine mafiöse Stadt". (APA, 8.12.2014)

  • Bürgermeister Ignazio Marino ist von den Enthüllungen nicht betroffen und soll der Organisation sogar Widerstand geleistet haben. Er spüre nun noch mehr Motivation "für die Erneuerung der Stadt zu arbeiten.
    foto: ap/tarantino

    Bürgermeister Ignazio Marino ist von den Enthüllungen nicht betroffen und soll der Organisation sogar Widerstand geleistet haben. Er spüre nun noch mehr Motivation "für die Erneuerung der Stadt zu arbeiten.

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