Wallner verlässt IOC, das weiter reformiert

8. Dezember 2014, 13:42
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Österreich damit derzeit nicht vertreten - Vollversammlung stimmt für länderübergreifende Spiele - Bewerbungskosten sollen gesenkt werden

Wien/Monte Carlo - Österreich ist im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) seit der aktuellen Vollversammlung in Monte Carlo nicht mehr vertreten. Leo Wallner hat ein Jahr vor Erreichen der Altersgrenze von 80 Jahren seine Mitgliedschaft aus Altersgründen zurückgelegt. Das teilte das ÖOC am Montag in einer Aussendung mit. Wallner hatte dem Kreis der Olympier seit Februar 1998 angehört.

Wallner war unmittelbar vor den Winterspielen in Nagano in das IOC gewählt worden. Dem war ein jahrelanges Bemühen des IOC-Mitglieds Philipp Schoeller vorausgegangen. Denn Österreich hatte als Veranstalter Olympischer Spiele laut damaligen Statuten das Recht auf zwei Plätze. Schoeller war 1977 in das IOC aufgenommen worden, im Jahr 2000 legte er mit ebenfalls 79 Jahren sein Mandat zurück. Der Niederösterreicher ist im Mai 2008 gestorben.

Der damalige Casinos- und Lotterien-Generaldirektor Wallner war im IOC u.a. als Mitglied des Finanz- und des Ethik-Komitees aktiv. Unter seiner Führung als ÖOC-Chef gelang es aber nicht mehr, Olympische Spiele nach Österreich zu holen. Das Scheitern von Salzburg hatte auch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge, Erhebungen der Staatsanwaltschaft gegen Wallner wegen des Verdachts der Untreue wurden 2013 eingestellt.

Nicht vernehmungsfähig

Zuletzt war von gesundheitlichen Problemen Wallners die Rede. Im derzeit laufenden Verfahren gegen Peter Westenthaler, in dem es auch um eine Zahlung der Lotterien von 300.000 Euro an die BZÖ-eigene Werbeagentur Orange im Jahr 2006 geht, gilt der 79-Jährige aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustandes als nicht verhandlungs- und vernehmungsfähig.

"Reform, Reform, Reform", hallt es derweil durch die Gänge des Grimaldi-Forums zu Monaco - wo das IOC zur Runderneuerung entschlossen ist, vielleicht auch, um einen Kontrapunkt zum internationalen Fußballverband (Fifa) zu setzen. Thomas Bach (60) präsidiert die 127. Vollversammlung bisher erfolgreich, werden doch wichtige Punkte der sogenannten Agenda 2020 in der Olympischen Charta verankert.

Griechisches Drama

Ab sofort sind länder- und städteübergreifende Spiele erlaubt. Aus Gründen der Nachhaltigkeit soll "die Austragung ganzer Sportarten oder einzelner Disziplinen außerhalb der Gastgeberstadt oder in Ausnahmefällen außerhalb des Landes" möglich sein. Eine Premiere könnte es diesbezüglich schon 2018 geben. Es wird überlegt, die Bob-, Rodel- und Skeletonbewerbe aus finanziellen Gründen von Pyeongchang auszulagern. Ein Baustopp und damit die Einsparung von 120 Millionen Euro wurden den Koreanern schon nahegelegt. Allerdings soll es für die Spiele weiter einen Hauptgastgeber und ein zentrales olympisches Dorf geben. "Die Einheit von Zeit, Ort und Handlung darf sich, wie in einem griechischen Drama, nicht ändern", sagte Bach.

Sommerspiele sollen in Zukunft mit 10.500 Athleten und 310 Wettbewerben auskommen, bei den Winterspielen treten höchstens 2900 Athleten in 100 Wettkämpfen an.

Wallner ist in Monte Carlo nicht vertreten, er hatte seinen Rückzug brieflich mitgeteilt. Ob nach dem Ausscheiden des Niederösterreichers wieder ein Österreicher ins IOC aufgenommen wird, entscheidet sich frühestens bei der kommenden 128. Session ab 30. Juli 2015 in Kuala Lumpur. (APA, sid, red, DER STANDARD + Online Update 9.12.2014)

  • Abschied nach fast fast 17 Jahren: Leo Wallner.
    foto: apa/pfarrhofer

    Abschied nach fast fast 17 Jahren: Leo Wallner.

  • Mit jeder Menge guter Vorsätze in den Aktentaschen trafen sich die Olympier zur 127. Vollversammlung unter den fünf Ringen in Monaco. Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach will, dass die Spiele weiter quasi griechische Dramen bleiben.
    foto: epa/nogier

    Mit jeder Menge guter Vorsätze in den Aktentaschen trafen sich die Olympier zur 127. Vollversammlung unter den fünf Ringen in Monaco. Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach will, dass die Spiele weiter quasi griechische Dramen bleiben.

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