Erneut Jury zu Polizeigewalt in den USA einberufen 

6. Dezember 2014, 08:43
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Tausende Menschen demonstrierten wieder gegen Rassismus

New York - Auch im jüngsten Fall von tödlichen Polizeischüssen auf einen Schwarzen in den USA soll eine sogenannte Grand Jury über eine Anklageerhebung entscheiden. Das gab der zuständige Richter am Freitag in New York bekannt.

Er versprach eine "vollständige und faire Untersuchung" der tödlichen Schüsse auf den 28-jährigen Akai Gurley im November. Im ganzen Land gingen erneut tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße. "Es ist wichtig, auf den Grund dessen zu gehen, was geschehen ist", sagte der Richter Ken Thompson. Er versprach, der Geschworenen-Jury "alle Informationen zu geben, die sie braucht, um ihre Aufgabe zu erfüllen". Momentan würden die Beweise aber noch zusammengetragen.

Mit einer Kugel getötet

Der Vorfall ereignete sich am 20. November im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Gurley ging mit seiner Freundin ein dunkles Stiegenhaus hinunter, weil der Aufzug nicht fuhr. Der junge Polizist Peter Liang zog seine Waffe und tötete Gurley mit einer Kugel, ohne dass sich der Vater einer kleinen Tochter in irgendeiner Form verdächtig verhalten hätte, wie der Schütze selbst einräumte. Wie die "New York Post" berichtete, rief Liang nach den Schüssen nicht einmal die Rettung, sondern schrieb zuerst eine SMS an seine Gewerkschaft.

Der Fall reiht sich ein in eine ganze Serie von tödlichen Schüssen oder Tätlichkeiten weißer Polizisten in den USA, denen Schwarze zum Opfer fielen. Sowohl nach dem Tod des unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown in Ferguson als auch nach dem mit einem Würgegriff getöteten Eric Garner in New York entschieden Geschworene, dass sich die Polizisten nicht vor Gericht verantworten müssen. Nach den Entscheidungen kam es jeweils zu teils gewaltsamen Protesten.

Verkehr in New York lahmgelegt

In New York gingen am Freitagabend den dritten Tag in Folge Hunderte Menschen auf die Straße und legten den Verkehr lahm. In Erinnerung an den 43-jährigen Garner riefen viele Demonstranten "Ich kann nicht atmen" - das waren die letzten Worte des Asthmatikers, wie später auf einem Amateurvideo zu sehen war. An der Columbia Universität, an der Grand Central Station und auf der Fifth Avenue in Manhattan legten sich zudem Demonstranten auf den Boden, um an die Toten durch Polizeischüsse zu erinnern.

Weitere Demonstrationen gab es in Washington, Miami, Chicago, Boston und New Orleans. Auf Plakaten stand "Rassismus tötet" und "Das Leben von Schwarzen zählt".

Familie fordert Gerechtigkeit

Am Freitag meldete sich auch Gurleys Familie erstmals öffentlich zu Wort und verlangte Gerechtigkeit. "Wie soll ich meiner Tochter erklären, dass ihr Vater nicht mehr zurückkommt?", sagte Gurleys Freundin Melissa Butler bei einer Trauerfeier in einer Baptistenkirche in Brooklyn. Seine Mutter Sylvia Palmer sagte weinend: "Er hat nichts falsch gemacht. Er ist ein guter Mann, er liebt seine Familie, er liebt seine kleine Tochter."

Gurleys Beerdigung ist für Samstag geplant. Der einflussreiche Bürgerrechtler Al Sharpton hat zudem zu einer weiteren Protestkundgebung im Stadtteil Harlem aufgerufen. (APA, 6.12.2014)

  • Eine Frau hebt in New York zum Protest ihre beiden Hände.
    foto: reuters/andrew kelly

    Eine Frau hebt in New York zum Protest ihre beiden Hände.

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