Dritter Bieter für Hypo-Balkanbanken

5. Dezember 2014, 17:54
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In den unterbrochenen Verkauf der Hypo-Balkanbanken ist nun die russische Expobank wieder involviert

Wien - Im Rennen um die Südosteuropa-Holding der ehemaligen Hypo Alpe Adria sind nicht nur zwei, sondern drei Bieter unterwegs. Neben dem US-Investor Advent (mit der EBRD an Bord) und dem bulgarisch-russischen Konsortium Via-Group mit VTB Bank ist auch die russische Expobank wieder im Verfahren zurück.

Die Republik hat das Verkaufsverfahren vor einer Woche in letzter Minute unterbrochen und fortgesetzt; der fixfertige Vertrag mit Advent und Osteuropabank (EBRD) wurde nicht unterschrieben. Man habe auf die "Reset-Taste" gedrückt, hieß es - und nun sind alle Bieter an Bord, die nicht ausgeschieden worden sind.

Mehrheitseigentümer

Die Expobank ist seit 1994 auf dem russischen Markt aktiv; ihr Mehrheitseigentümer ist Igor Kim. Er stammt aus Kasachstan, das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Kim hat in Nowosibirsk Wirtschaftskybernetik studiert und nach dem Auseinanderfallen der Sowjetunion mit Bankgeschäften in Sibirien begonnen. Seiner Bankengruppe hat er in den vergangenen Jahren ein Puzzlesteinchen nach dem anderen hinzugefügt.

Er kaufte das Russland-Geschäft der britischen Barclays Bank sowie das der spanischen Santander und der US-Bank Morgan Stanley auf. Im Sommer 2012 machte er den Schritt nach Deutschland: Dort hat er eine Tochterbank der WestLB übernommen. Anfang 2014 kaufte er der Stuttgarter Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) deren Tschechien-Geschäft ab. An dieser Stelle gibt es bereits einen Kontaktpunkt zu Österreich: Die LBBW hatte den Tschechien-Strang im Jahr 2008 von der Bawag gekauft. Der heute 48-jährige Banker hatte bei seinem Deal in Prag die Erste Group ausgebootet.

Advent

Am wahrscheinlichsten scheint der Verkauf der SEE-Holding mit ihren sechs Banken an Advent zu sein - allerdings können die Bieter ihre bisherigen Anbote ja nun noch aufbessern.

Die Verkäufer hoffen jedenfalls, dass der Vertrag noch heuer unterschrieben wird. Alle drei Bieter hatten im Lauf des Verfahrens zwar Gelegenheit, die Bankbücher zu studieren - dessen ungeachtet wird der Datenraum kommende Woche noch einmal geöffnet. Allerdings schweben über dem Verkauf neue Fragezeichen. Die staatliche Banken-Holding Fimbag könne den Verkauf nicht abwickeln, wenn der Bieterprozess nicht völlig neu gestartet werde, erklärte deren Aufsichtsratschef Hannes Androsch am Freitag. Davon habe die Fimbag das Finanzministerium informiert, sagte Androsch der Austria Presseagentur.

Europäisches Modell

Notenbankchef Ewald Nowotny erinnerte daran, dass Österreich bei der Verstaatlichung der Hypo Alpe Adria einem "europäischen Modell gefolgt" sei. Der damalige EZB-Vorsitzende Jean-Claude Trichet habe sich deshalb an Bundeskanzler, Finanzminister und an ihn, Nowotny, gewandt. (Renate Graber, DER STANDARD, 6.12.2014)

  • Im Verkaufsprozess der Hypo-Balkanbanken sind nun wieder alle Bieter an Bord, die nicht ausgeschieden worden sind, darunter die russische Expobank. Dennoch gibt es neue Probleme.
    foto: apa

    Im Verkaufsprozess der Hypo-Balkanbanken sind nun wieder alle Bieter an Bord, die nicht ausgeschieden worden sind, darunter die russische Expobank. Dennoch gibt es neue Probleme.

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