Doctor Who, Mister Spock und andere Zeitreisende

5. Dezember 2014, 23:46
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Reisetätigkeiten durch die Zeit - ob in die Vergangenheit oder in die Zukunft - sind bis heute fixer Bestandteil der Science-Fiction-Kultur

Wien - Nächstes Jahr ist es so weit: Marty McFly und Doc Brown werden mit ihrem zur Zeitmaschine umgebauten Sportwagen ankommen. 1985 sind sie gestartet, um die Zukunft Martys im Jahr 2015 zu reparieren. Die aus dem Film Back to the Future II bekannte starke Verbreitung von schwebenden Skateboards und handlichen Fusionsreaktoren werden sie in unserem 2015 allerdings nicht antreffen.

Neben Synthie-Pop und Cyper-Punk entfachte sich am Computerboom der 1980er auch eine rege Sci-Fi-Szene. Sprünge durch die Zeit gehörten dabei zum Standardrepertoire. In Time Bandits (1981) schlittert ein Elfjähriger mit ein paar Zwergen durch die Geschichte, um Sean Connery als Agamemnon kennenzulernen. Arnold Schwarzenegger besucht uns als Terminator (1984) aus der bevorstehenden Technik-Apokalypse. Und in Bill & Ted's Excellent Adventure (1988) müssen alberne Halbstarke in der Zukunft die Welt retten.

Die drei Teile von Back to the Future sind aber bis heute die Zeitreise-Filme schlechthin. Als Blockbuster mit repetitiven, comichaften Elementen lassen sie Marty alias Michael J. Fox nach 1955, nach 2015 und in den Wilden Westen reisen. Mit dem "Flux Capacitor", der Zeitreisen möglich macht, dem Delorian, der feurige Reifenspuren hinterlässt und Sätzen wie "Next Saturday night we are sending you back to the future" wurden die Filme zum hochfrequentierten Verweisfeld der Popkultur. Dass ein Zeitsprung 1,21 Gigawatt an Energie braucht und man dazu einen Blitz verwenden kann, gehört fast zum Allgemeinwissen.

Urvater der Zeitreise

Die Referenz-Zeitmaschine der Literatur ist aber jene von H. G. Wells. 1895 erschien The Time Machine und schuf den Ausgangspunkt für vielfältige Science-Fiction. Seine Maschine katapultierte den Time Traveller 800.000 Jahre vorwärts und führte ihn in eine Welt, in der das soziale Oben und Unten seiner viktorianischen Zeit umgekehrt war. Die Rasse der Eloi lebte in Muße und ohne Wissen. Die Herrschaftsschicht von einst war aber zum Schlachtvieh der zu Menschenfressern degenerierten Arbeiterklasse geworden.

Die folgenden Jahrzehnte brachten viele Variationen des Motivs. Einmal ist es da, um lehrreich andere Zeiten auszumalen, dann stehen wieder Zeitreiseparadoxien selbst im Zentrum: Was passiert, wenn man zurückreist und seinen Großvater tötet?

Die Zeitreise funktioniert bei H. P. Lovecraft per Körpertausch oder dient bei Stanislaw Lem dazu, sich selbst einen Besuch abzustatten. Carl Amery, Mitglied der Gruppe 47 und späterer Sci-Fi-Autor, ersinnt ein Komplott der Kirche. Im Königsprojekt soll eine von Leonardo da Vinci erbaute Zeitmaschine Europas Machtverhältnisse revidieren. Im Film Predestination (2014) werden Grenzen ausgelotet, indem ein Protagonist nach Geschlechtsumwandlung und Zeitreise mit sich selbst ein Kind zeugt.

Im frühen TV, das sparsam bei Effekten sein musste, erlangte die Telefonzelle eine gewisse Tradition als Reisebehelf (Doctor Who, ab 1963). Und sogar Romantic Comedys bedienten sich der Zeitreise. Um Meg Ryan mit einem Adeligen mit guten Manieren zu verkuppeln, tat sich in Kate & Leopold (2001) ein Zeitriss unter der Brooklyn Bridge auf. Auch Höhlen, Tunnel und eigenartig reale Träume sind beliebte Vehikel.

Schon früher gab es den Trend, Sci-Fi mit realer Physik abzugleichen. Das brachte Serien wie Star Trek - The Next Generation (ab 1987) wissenschaftliche Berater ein, die die Zukunftstechnik authentisch erscheinen lassen sollten. Als 1986 ein Star Trek-Film Kirk & Co in die Gegenwart führte, um einen Wal zu holen, wurde ein "Slingshot"-Effekt erdacht, der die Sonnengravitation zum Zeitsprung nutzte. In der Neuauflage von Star Trek (2009) hatte eine Zeitreise den Zweck, das Franchise auf neue Beine zu stellen. Spocks Planet wird zerstört, eine neue Zeitlinie für zukünftige Teile entfaltet sich. Die Zeitreise - degradiert zum narrativen Trick. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 6.12.2014)

  • Mister Spock - dargestellt von Leonard Nimoy - aus der Serie "Star Trek" war mit dem Raumschiff Enterprise nicht der einzige Zeitreisende in der Science-Fiction-Kultur. H. G. Wells' Zeitmaschine aus "The Time Machine" schuf 1895 den Ausgangspunkt für vielfältige Science-Fiction.
    foto: reuters / bettman archives / file photo

    Mister Spock - dargestellt von Leonard Nimoy - aus der Serie "Star Trek" war mit dem Raumschiff Enterprise nicht der einzige Zeitreisende in der Science-Fiction-Kultur. H. G. Wells' Zeitmaschine aus "The Time Machine" schuf 1895 den Ausgangspunkt für vielfältige Science-Fiction.

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