Kärntner Sonnenalm-Molkerei stellt Produktion wegen Umweltgift vorläufig ein 

6. Dezember 2014, 11:12
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Unsicherheiten bei Messergebnissen einfach zu groß - Greenpeace findet mit Umweltgift kontaminierte Milchprodukte im Verkauf

Klein St. Paul - Die Sonnenalm-Molkerei im Görtschitztaler Klein St. Paul im Bezirk St. Veit/Glan stellt ihre Produktion vorläufig ein. Das gab das Unternehmen am Samstagvormittag bekannt. Grund sind die Verunreinigungen der Rohmilch mit Hexachlorbenzol. Die Unsicherheiten bei den Messergebnissen seien zu groß, hieß es, nachdem am Freitag in zwei Produkten HCB-Belastungen über dem Grenzwert gefunden worden waren.

"Wir sind von diesem Messergebnis selbst schockiert und tief betroffen", sagte Geschäftsführer Hannes Zechner. Offenbar sei das Probennetz trotz aller Anstrengungen und Bemühungen nicht dicht genug gewesen, dafür entschuldige man sich aufrichtig bei den Kunden. Bis zur vollständigen Klärung und Vorliegen aller amtlichen Untersuchungsergebnisse hole man nun alle Sonnenalm-Kuhmilchprodukte zurück und stelle bis zur Freigabe durch die Behörden die Produktion ein.

Ob der Produktionsstopp auch die Ziegenmilchprodukte betreffe, die nach derzeitigem Wissensstand nicht mit HCB belastet sei, war vorerst noch offen. Von dem Produktionsstopp sind rund 20 Mitarbeiter betroffen.

Greenpeace entdeckt Umweltgift im Verkauf

In Frischmilch und Topfen, die von der Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende November in Friesach gekauft worden sind, hat die Lebensmittelversuchsanstalt das Umweltgift Hexachlorbenzol entdeckt. Laut einer Aussendung von Greenpeace waren eine Milch- und eine Topfenprobe mit 0,021 bzw. 0,023 Milligramm HCB je Kilo belastet, das ist das Doppelte des erlaubten Grenzwertes.

Man habe drei Milch- und Topfenproben an die LVA zur Untersuchung übermittelt, sagte Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster. Man habe damit gerechnet, dass HCB nachgewiesen werden könne, aber nicht mit einer Überschreitung der Grenzwerte. Die belasteten Produkte stammen laut Greenpeace von der Sonnenalm-Molkerei aus dem Görtschitztal. Ein Milchprodukt der Berglandmilch aus Klagenfurt sei hingegen HCB-frei gewesen.

Verkauf aller Milchprodukte soll gestoppt werden

Schuster: "Wir sind entsetzt, dass der Bevölkerung von den Behörden vermittelt wurde, es wären keine kontaminierten Milchprodukte in den Handel gekommen." Frischmilch sei nicht lange haltbar, sie sei also erst nach Bekanntwerden des HCB-Skandals abgefüllt worden, betonte Schuster. Er fordert nun von der Kärntner Landesregierung, den Verkauf aller Milchprodukte aus der betroffenen Region so lange zu stoppen, bis sichergestellt sei, dass sie "verlässlich deutlich unterhalb des Grenzwertes" belastet seien.

Warnung von Landeshauptmann

Das Land Kärnten hat am Freitagabend deshalb davor gewarnt, Lebensmittel aus der Region Görtschitztal zu konsumieren. Das gab Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) nach einem Krisengipfel bekannt. Aus Sicherheitsgründen werde die Bevölkerung dazu aufgerufen, bis auf weiteres keinerlei Lebensmittel aus der Region zu konsumieren, sagte Kaiser. Die Warnung gelte, bis sämtliche Ergebnisse der amtlichen Probenziehung vorliegen würden und Entwarnung gegeben werden könne. Er habe nun in Auftrag gegeben, dass alle vorhandenen Kräfte der Fachabteilungen gebündelt werden sollen, um verstärkt Proben zu nehmen und Tests durchführen zu lassen.

Vor eineinhalb Wochen war öffentlich geworden, dass im Görtschitztal im Kärntner Bezirk St. Veit/Glan offenbar über einen längeren Zeitraum HCB freigesetzt worden war. Als mutmaßlicher Verursacher gilt das Zementwerk von Wietersdorfer & Peggauer, wo HCB-belasteter Blaukalk der Donauchemie in Brückl seit einigen Jahren im Rahmen der Sanierung einer Deponie verarbeitet wird.

FPÖ fordert Rücktritt von Holub und Prettner

Der Kärntner FPÖ-Obmann Christian Ragger forderte unterdessen, Umweltlandesrat Rolf Holub von den Grünen und SPÖ-Gesundheitsrefentin Beate Prettner müssten zurücktreten. Sie seien nicht fähig, für Klarheit zu sorgen, und würden vielleicht sogar versuchen, eigene Versäumnisse zu vertuschen, mutmaßte Ragger, der die Einbeziehung externer Berater verlangt. (APA, 5.12.2014)

  • Jene Milch, die angeblich nie in den Lebensmittelhandel gelangen hätte sollen, wurde nun doch dort gefunden.
    foto: apa/bernd schoelzchen

    Jene Milch, die angeblich nie in den Lebensmittelhandel gelangen hätte sollen, wurde nun doch dort gefunden.

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