ORF flacht Gehaltskurven ab und stellt im Gegenzug Mitarbeiter an

5. Dezember 2014, 16:35
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Wrabetz und Grasl informierten Stiftungsrat über Eckpunkte des neuen ORF-Kollektivvertrags - "Wichtiger Meilenstein für zukünftige Unternehmensentwicklung"

Wien - Abgeflachte Gehaltskurven, weniger Verwendungsgruppen und Arbeitsbilder, Sabbaticals, Papamonat, eine Telearbeits-Richtlinie sowie die Anstellung von bisher freien Honorarmitarbeitern, Leiharbeitskräften und Aushilfen - das sind die Eckpunkte des neuen ORF-Kollektivvertrags, der am 1. März 2015 in Kraft treten soll.

Freitagnachmittag informierten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Finanzdirektor Richard Grasl die Mitglieder des ORF-Stiftungsrat per Mail über den Abschluss der KV-Verhandlungen mit dem ORF-Betriebsrat. "Nach dem Beschluss über den Standort und die Strategie 'ORF 2020' ist der neue Kollektivvertrag als modernes Betriebssystem für die Arbeitswelt von morgen ein weiterer wichtiger Meilenstein für die zukünftige Unternehmensentwicklung", schreiben Wrabetz und Grasl in einem der APA vorliegenden Mail. Die Medienlandschaft sei mit einem raschen technologischen und strukturellen Wandel konfrontiert, der neue Kollektivvertrag, der vom Stiftungsrat noch genehmigt werden muss, trage diesen Entwicklungen Rechnung.

Nur mehr 9 Verwendungsgruppen

Die Anzahl der Verwendungsgruppen wurde demnach von bisher 18 auf neun reduziert. Das neue Verwendungsgruppenschema entspreche somit jenen, die sich im Großteil österreichischer Kollektivverträge finden lassen. Die bestehenden rund 170 Arbeitsbilder wurden laut Wrabetz und Grasl, die den KV auf Managementseite federführend verhandelten, ebenfalls modernisiert und umgestaltet. Bereichsübergreifend gibt es nun für alle Direktionen 51 neue Arbeitsbilder.

"Die Einstiegsgehälter der jeweiligen Verwendungsgruppen wurden marktorientiert fixiert und die entsprechenden Gehaltskurven abgeflacht. Damit gelang es, eine zeitgemäße Vergütungsstruktur zu schaffen, über die hinkünftig auch vermehrt junge Mitarbeiter/innen an das Unternehmen gebunden werden können", so die ORF-Direktoren weiter. Mit der möglichen Inanspruchnahme von Sabbaticals und Papamonat für alle ORF-Mitarbeiter seien "weitere Elemente einer modernen, attraktiven Arbeitswelt realisiert". Auch eine Telearbeits-Richtlinie wurde im Zuge des neuen KVs erarbeitet.

Unbefristete Dienstverhältnisse

Leasingpersonal, das seit vielen Jahren in Kernbereichen des öffentlich-rechtlichen Senders tätig ist, soll nun im Zuge des KV neu angestellt werden. Weiters werde es möglich sein, Aushilfskräfte und stark beschäftigte Honorarmitarbeiter, die schon länger im ORF tätig sind, auf unbefristete Dienstverhältnisse umzustellen. Beginnend mit Juni 2015 ist laut Wrabetz und Grasl geplant, 250 Vollzeitäquivalente in unbefristete Arbeitsverhältnisse zu übernehmen. Zusätzlich sollen aus dem Kreis sehr stark beschäftigter, bisher tageweise angemieteter Leasingkräfte 30 Vollzeitäquivalente in eine Daueranmietung übernommen werden.

Generaldirektor und Finanzdirektor betonten, dass "dies keine Abkehr von unseren jahrelangen Sparbemühungen darstellt". Auch nach den Umstellungen durch den Kollektivvertrag 2014 zeige sich, dass im ORF gegenüber 2007 über 560 Vollzeitäquivalente nachhaltig eingespart werden konnten. Im Finanzplan komme es zu einer kostenmäßigen Verschiebung vom Sachkostenbereich in Richtung der Personalkosten. Kurzfristig würden die geplanten Umstellungen "weitgehend kostenneutral" sein, in der mittel- bis langfristigen Betrachtung werde der neue Kollektivvertrag aber "einerseits sein kostendämpfendes Potenzial voll entfalten, andererseits auch Neuanstellungen von jungen Mitarbeitern zu ökonomisch vertretbaren Bedingungen ermöglichen". (APA, 5.12.2014)

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