Presseförderung: "Papa Staat" in Pflicht nehmen

5. Dezember 2014, 17:23
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Medienwissenschafter erwartet neue Presseförderung

Lech am Arlberg - Was Sie hier lesen, war noch nie profitabel: die reine Nachricht. Das zumindest sagt Josef Trappel, Leiter des Fachbereichs für Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg: "Mit ihr alleine lässt sich einfach kein Geld verdienen." Weil sich die klassischen Medien nun aber "in einer fundamentalen Existenzkrise befinden", müsse - unter anderem - auch "Papa Staat" verstärkt in die Pflicht genommen werden. "Natürlich mit einem Modell, das sicherstellt, dass es keinen staatlichen Einfluss auf die Medien gibt", sagte Trappel am achten "Mediengipfel" im Vorarlberger Lech.

Trappel ist optimistisch, dass noch in dieser Legislaturperiode ein neues Modell der Presseförderung ausgearbeitet und eingeführt werde: "Wir hatten noch nie zuvor einen Medienminister, und der wird sich langsam seiner Verantwortung bewusst", sagt Trappel im Gespräch mit dem STANDARD. Josef Ostermayer müsse sich nun mit etablierten wie auch mit "Grassroot-Medien im Internet" zusammensetzen und neue Modelle ausarbeiten. "Ich bin davon überzeugt, dass sich diese rasch finden lassen und die Presseförderung endlich ins 21. Jahrhundert geholt wird", sagt Trappel.

Förderung von Qualität

Zwei Aspekte seien aus seiner Sicht dabei vor allem zu beachten: "Es braucht mehr Förderung von Qualität und eine zweckgebundene Subventionierung von Forschung und Entwicklung im Medienbereich." Gerade in die Weiterentwicklung von Formaten und Darstellungsformen würden Medienunternehmen viel zu wenig investieren, findet er.

Trappel sieht zwar die Gefahr, dass "Subventionen faul machen" und durch sie mehr in Lobbying als Innovation investiert werde, "aber das passiert derzeit ohnehin". Dennoch: Staatliche Subventionen könnten nur eine Säule an Zusatzerlösen darstellen. Es brauche künftig eine Vielfalt an Quellen wie Presseförderung, Werbung, Corporate Publishing, E-Commerce. "In erster Linie müssen sich Medien am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, 6./7./8.12.2014)

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