Im Restaurant zur Goldenen Hypo Alpe Adria

Kolumne5. Dezember 2014, 17:00
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Österreichische Untergangsvisionen

Wenn der Krisenkolumnist das Volksempfinden richtig deutet, herrscht momentan böses Blut wegen der Hypo Alpe Adria. Nicht ganz zu Unrecht. Seit dem Griss-Bericht haben wir es nämlich endgültig schwarz auf weiß, dass dieses Land von einer Kohorte hochbezahlter Nichtsnutze und Nichtsnutzinnen regiert wird. Erst bilden sich die Kärntner einen Witzbold von Landeshauptmann ein, der ihnen mit faulen Krediten Panem und Circenses und nebenher kroatische Mafiosi finanziert. Dann stopft eine unfähige Koalition, die seinen Sauhaufen aufräumen soll, unfähigen Beratern 300 Millionen in den Rachen, lässt sich von den Bayern über den Tisch ziehen, verstaatlicht die Misthütte auf Steuerzahlers Kosten und verpennt eine gute Abbaulösung.

Verantwortliche? Gibt’s keine. Wozu auch die Aufregung? Zahlt doch eh alles der Steuerzahler! Da können einem beim nächsten Finanzamtsbescheid schon einmal die Halsadern anschwellen und die Galle hochkommen!

Aber denken wir doch positiv und an das, was uns erspart geblieben ist. Noch schlimmer wär’s gewesen, hätten die Hypostümper statt ihrer Pleitebank kollektiv Restaurants oder Krankenhäuser gemanagt. Das hätte erst auf den Magen geschlagen!

Im "Restaurant zur Goldenen Hypo Alpe Adria" hätte der Koch die Redewendung "jemandem in die Suppe spucken" wörtlich genommen. Wenn sich der Gast über den Socken beschwert, den er in der Consommé gefunden hat, weiß der Kellner von nichts und reagiert pampig: "Nehmen S’ eam hoid aussa!" Gäste, die nicht über den Masochismus eines FPÖ-Wählers verfügen, verlassen zu diesem Zeitpunkt eilends das Lokal. Die anderen werden mit einer Extraportion Klagenfurter Gammelfleisch und einer Salmonellencreme zum Dessert abgestraft.

Sich seine Lebensmittelvergiftung dann in einem Hypo-Alpe-Adria-Spital kurieren zu lassen, wäre auch keine gute Idee. Das medizinische Fachpersonal hätte aus je einem halben Dutzend Dorfbadern, Voodoopriestern, Geistheilern und Exorzisten bestanden, der Chefarzt seinen Doktortitel in der Lotterie "6 aus 45" gewonnen. Und wenn einem als "Therapie" für eine Mittelohrentzündung versehentlich ein Unterschenkel amputiert wird, will es natürlich keiner gewesen sein. Ziemlich schreckliche Zustände. Und da regen wir uns wegen 20 Milliarden Miese im Staatsbudget auf? (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 6./7./8.12.2014)

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