Vegan und ohne Auto

Kolumne7. Dezember 2014, 17:00
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Warum die Jungen manchmal ganz schön alt aussehen neben den Alten, die ganz schön jung sind

Früher war es doch so: Die Jungen waren jung und die Alten waren alt. Heute schauen die Jungen manchmal ganz schön alt aus neben den Alten, die ganz schön jung sind. Meine Mama zum Beispiel, die ist jetzt auch nicht mehr ganz jung, aber macht ständig Dinge, die auch eine Zwanzigjährige mit Dreadlocks richtig fresh finden würde. Sie macht nicht nur Yoga und fährt demnächst zur Ayurveda-Kur nach Indien. Sie is(s)t jetzt auch vegan. Und das schon eine Weile. Das ist nicht nur politisch höchst korrekt, siehe CO2-Verbrauch etc., sondern tut ihr auch noch richtig gut. Ich wäre auch gern vegan, aber irgendwie klappt das nicht, mitten in einem Erwerbsleben, in dem ich Mittags neben einer Großstadt-Mall satt werden muss.

Ich bin da neidisch

Zugegeben, ich bin da neidisch, ähnlich wie auf meinen Vater, der (längst ohne meine Mutter) noch immer nicht vegan isst, aber jetzt auch ohne Auto durchs Leben kommt. Das, was ich seit Jahren nachhaltigen Köpfen nachbete, nämlich den Gebrauch eines Pkws zu hinterfragen, denn keiner braucht so etwas heute noch wirklich – zack, der Papa macht das jetzt und nämlich ausgerechnet er, der früher einmal dem Auto als Statussymbol inklusive Wunschkennzeichen zusprach. Jetzt ist er umgestiegen und fährt Zug und wenn es sein muss auch Bus, und zwar überall hin. Und nicht, weil er zu alt fürs Autofahren wäre. Sein ökologischer Fußabdruck ist neuerdings so jugendlich und schmal wie der eines hipen Umweltktivisten.

Das Geheimnis ewiger Jugend

Da schau ich mit meinem alten Kombi vergleichsweise alt aus. Ungefähr so alt wie Jack Nicholson, der aber weiß, dass Altern an sich noch keine Leistung ist und deswegen irgendwann gesagt hat: "Älter werden heißt auch besser werden." Ob der alte Jack den Ausspruch jetzt haarscharf in Richtung Yoga, Veganismus und Carsharing gemeint hat, ist natürlich nicht gesichert. Aber wir hoffen es. Und Hoffnung ist wichtig, auch in Bezug auf meinen ökologischen Fußabdruck. "Mit 40 fängt man an, das Wertvolle zu suchen, und mit 50 kann man anfangen es zu finden." Na, dann. Wer das gesagt hat, habe ich jetzt vergessen. Und vergessen können ist ja bekanntlich das Geheimnis ewiger Jugend. Aber wer bitte, will das schon. (Mia Eidlhuber, derStandard.at, 7.12.2014)

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    foto: ap
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