Oberösterreichs Ärzte wollen ab Jänner "nicht mehr als 48 Stunden arbeiten"

5. Dezember 2014, 13:57
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Kammer warnt vor Konsequenzen - "Weniger Ärzte während Kerndienstzeiten anwesend" - Mehrbedarf von 165 Stellen durch neues Ärztearbeitszeitgesetz

Linz - Die oberösterreichischen Spitalsärzte pochen vehement auf bessere Bedingungen sowie die Einhaltung der neuen Arbeitszeitregelung und warnen vor Konsequenzen im Krankenhausbetrieb: "Ab 1. Jänner 2015 werden wir nicht mehr als 48 Stunden pro Woche im Durchschnitt arbeiten", kündigte Ärztekammer-Präsident Peter Niedermoser am Freitag in Linz an.

Kein einziges Opt-Out

Bisher seien die Dienstpläne immer auf Basis der maximalen Arbeitszeit von 60 Stunden erstellt worden, kritisieren die Ärzte. Das sei "fahrlässig" gewesen, so der Kurienobmann der angestellten Ärzte Harald Mayer. Die neue Arbeitszeitregelung, mit der Österreich eine seit 2003 bekannte EU-Richtlinie erfüllen muss, sieht maximal 48 Stunden pro Woche vor. Stimmt ein Dienstnehmer zu, kann er vorübergehend noch mehr arbeiten (Opt-Out), das habe aber bisher niemand getan, so die Standesvertreter. Spitalsärzte-Vertreter Peter Adelsgruber: "Es gibt eine Riesen-Geschlossenheit in der Ärzteschaft."

"Die Nachtdienste werden aufrechterhalten. Während der Kerndienstzeiten werden aber weniger Ärzte anwesend sein", erwartet Adelsgruber. Es sei absehbar, dass Leistungen in den niedergelassenen Bereich ausgelagert werden. Angesichts der Wartezeiten in Facharztpraxen werden die Praxen das aber wohl auch nicht auffangen können. "Es ist damit zu rechnen, dass kein Haus die gleiche Menge erbringen kann wie bisher", warnte Mayer. Mögliche Konsequenzen: Kürzere Ambulanzöffnungszeiten oder längere OP-Wartelisten.

Personal gesucht

Die Ärzteschaft ortet bereits eine "Vertreibung" ihres Berufsstandes: 2013 hätten mehr als 600 der 1.380 Medizin-Absolventen nicht in Österreich zu arbeiten begonnen, weil sie im Ausland bessere Bedingungen vorgefunden hätten. Laut einer Studie, die Gesundheits- und Wissenschaftsministerium gemeinsam mit der Ärztekammer in Auftrag gegeben haben, sind bis 2030 mehr als 4.700 zusätzliche Mediziner in den Spitälern nötig. Durch das neue Ärztearbeitszeitgesetz rechnet man in Oberösterreich ab Jänner mit einem Mehrbedarf von 156 - zusätzlich zu ohnehin 143 vakanten - Stellen. Zudem stehe in den kommenden Jahren eine Pensionierungswelle an.

Die Ärzte kritisieren, dass seitens der Spitalsbetreiber bisher zu wenig unternommen worden sei, um die neue Richtlinie umzusetzen. Selbst wollen sie sich nicht den Vorwurf machen lassen, nicht dringlich genug darauf hingewiesen zu haben. Man habe immer wieder auf das Problem aufmerksam gemacht. Nun pochen die Mediziner aber auf die Umsetzung: "48 Stunden sind immer noch 25 Prozent mehr als bei anderen Arbeitnehmern", betonte Mayer. Dass viele Ärzte die freie Zeit nutzen würden, um auf eigene Rechnung zu arbeiten, ist laut Ärztekammer eine "Mär": in Oberösterreich hätten 600 der insgesamt 3.400 Spitalsärzte eine Privatordination gemeldet.

Verhandlungsstart kommende Woche

Verhandelt wird in Oberösterreich mit LH Josef Pühringer (ÖVP). "Wir haben ihm unsere Forderungen übermittelt", so Niedermoser. Details will er während der laufenden Verhandlungen nicht nennen. Es geht aber einerseits um das Grundgehalt, andererseits um "Soft-Facts" wie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weniger Bürokratietätigkeiten, und einiges mehr. Nächste Woche soll die erste Verhandlungsrunde stattfinden. Wie lange es dauern wird, zu einer Einigung zu kommen, ist offen. "Wir sind an einer Lösung interessiert", betonte Niedermoser. (APA, 5.12.2014)

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