Ermittlungen um Roms Mafia dehnen sich aus

5. Dezember 2014, 11:49
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Römischer Stadtregierung droht Absetzung wegen mafiöser Unterwanderung - Premier Renzi unter Druck

Rom - Die Ermittlungen gegen Politiker und Unternehmer wegen mafiöser Verstrickungen in Rom dehnen sich aus. Roms Bürgermeister, Ignazio Marino, will jetzt alle verdächtigen öffentliche Aufträge überprüfen, die in den vergangenen Jahren vergeben wurde. Damit beauftragte er den Präsidenten der Anti-Korruptionsbehörde, Raffaele Cantone.

Die römische Stadtregierung könnte jetzt wegen zu starker Mafia-Infiltration abgesetzt und kommissarisch verwaltet werden. So sieht Italiens Anti-Mafia-Gesetzgebung bei starker Unterwanderung durch das organisierte Verbrechen vor. Das wäre ein schwerer Imageschlag für Italien, das zurzeit den EU-Vorsitz innehat. Die Absetzung des Gemeinderats wird mit Nachdruck von der populistischen Oppositionsbewegung "Fünf Sterne" gefordert.

Skandal um "Mafia Capitale"

Bei den Ermittlungen geht es unter anderem um Korruption und Manipulationen bei Auftragsvergaben, sowie um Veruntreuung von öffentlichen Geldern. Der Skandal um die "Mafia Capitale" betrifft vor allem die Regierungszeit des damaligen rechtsgerichteten Bürgermeisters Gianni Alemanno, der bis 2013 im Amt war.

Aber auch die Demokratische Partei (PD, stärkste Einzelpartei im italienischen Parlament) um Premier Matteo Renzi ist in den römischen Skandal involviert, worauf dieser umgehend führende Parteipolitiker entließ. Die römische PD wurde Parteipräsident Matteo Orfini anvertraut, der mit Aufräumarbeiten beauftragt wurde. Die Ermittlungen werden von den Antimafia-Einheiten und dem Staatsanwalt Giuseppe Pignatone geleitet, der bereits in Palermo gegen die Mafia ermittelt hatte.

Interne Untersuchung eingeleitet

Pignatones Ermittler haben in Rom eine spezielle, lokale Mafia-Struktur aufgedeckt, die in der Ewigen Stadt selbst entstanden ist und nicht aus Sizilien oder Kalabrien importiert wurde. Sie ist mit dem rechtsterroristischen Milieu der 1980er Jahre verstrickt.

Die Aussicht, dass der Skandal jetzt auch das Regionalparlament der Region Latium, die Rom einschließt, umfasst, wird immer konkreter. Der Präsident der Region, Nicola Zingaretti, leitete eine interne Untersuchung über die Vergabe der Aufträge in den vergangenen Jahren ein. Die Vergabe neuer Verträge wurde ausgesetzt. (APA, 5.12.2014)

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