Arbeitsplätze: Hohe Gesundheitsbelastung, kaum Gegenmaßnahmen

5. Dezember 2014, 11:43
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Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat die Belastung von Arbeitnehmern abgefragt. Die Auswertung zeigt großes Verbesserungspotenzial

Die aktuelle Auswertung des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) zeigt, dass die gesundheitlichen Belastungen der Arbeitnehmer sehr hoch sind. Köche und Kellner, Berufskraftfahrer, Fabriksarbeiter, Bauarbeiter und medizinisches Personal (Ärzte und Pfleger) sind am stärksten betroffen. Bei Geschäftsführern, Büroangestellten, Buchhaltern, Fachverkäufern sowie Kindergartenpädagogen treten körperliche und/oder psychische Belastungen am wenigsten auf.

Als häufigste Beschwerde nennen die Beschäftigten Rückenschmerzen. Zwischen 59 Prozent (Fabriksarbeiter) und 70 Prozent (Bauarbeiter) der Arbeitnehmer, die in den fünf stark belastenden Berufen arbeiten, haben Rückenprobleme. Beschäftigte in den fünf am wenigsten belastenden Berufen leiden häufiger unter Erschöpfung (55 Prozent der Geschäftsführer). Rückenschmerzen sind aber auch bei ihnen ein Thema (z.B. 70 Prozent der Kindergartenpädagogen.

Psychische Belastungen

Auffällig ist, dass die Beschäftigten in Jobs mit hohen körperlichen Belastungen auch psychisch stark belastet sind. 76 Prozent der Berufskraftfahrer und der Fabriksarbeiter sowie 72 Prozent der Bauarbeiter und 71 Prozent des medizinischen Personals geben an, psychisch belastet zu sein. Bei den Geschäftsführern, die in der Öffentlichkeit eher als psychisch belastet dargestellt werden, sind es "nur" 67 Prozent.

Betriebliche Gesundheitsvorsorge hilft

In den belastenden Berufen gibt es - mit Ausnahme des medizinischen Personals - auffällig wenig gesundheitsfördernde Maßnahmen im Betrieb: Mehr als zwei Dritteln der Köche, Berufsfahrer, Fabriksarbeiter und Bauarbeiter bieten die Arbeitergeber überhaupt keine gesundheitsfördernde Maßnahme. Wie es anders geht, sieht man in den Jobs, in denen die Beschäftigten eher gesund bleiben. Mehr als 20 Prozent der Beschäftigten in den Berufen Geschäftsführer, Buchhalter und Kindergärtenpädagogen können sogar mehr als drei gesundheitsfördernde Angebote in Anspruch nehmen. Die Ergebnisse zeigen, dass schon wenige Maßnahmen die Gesundheitsbedingungen der Beschäftigten verbessern.

Krank zur Arbeit

Erneut zeigt der Arbeitsgesundheitsmonitor, dass viele Arbeitnehmer krank zur Arbeit gehen. Berufskraftfahrer zum Beispiel gaben an, im letzten halben Jahr an rund zwölf Tagen krank gearbeitet zu haben und 14 Tage im Krankenstand gewesen zu sein. Bei den Baubeschäftigten und Kindergartenpädagogen waren es neun Tage, an denen sie krank zur Arbeit gegangen sind, beim medizinischen Personal acht Tage.

"Unternehmerische Freiheit hat dort ihre Grenzen, wo sie auf Kosten der Gesundheit der arbeitenden Menschen geht. Der klassische Arbeitnehmerschutz muss ernster genommen, die psychischen Belastungen evaluiert und der Druck auf die Beschäftigten stark verringert werden", appelliert AK-Präsident Johann Kalliauer an die Arbeitgeber. Außerdem fordert Kalliauer, mit einem Bonus-Malus-System jene Unternehmen finanziell zu belohnen, die vorbildlich agieren, und jene in die Pflicht zu nehmen, die krankmachende Arbeitsbedingungen nicht abstellen. (red, 5.12.2014)

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