Nationalbank: Weniger Wachstum und mehr Arbeitslose

5. Dezember 2014, 10:37
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Die heimische Nationalbank senkt ihre Wachstumsprognose für Österreich kräftig, sieht aber zumindest keine Rezession

Wien - Die schlechten Prognosen für die heimische Wirtschaft reißen nicht ab. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat nun am Freitag ihre Wachstumsprognose für Österreich gesenkt.

War man im August noch davon ausgegangen, dass ein Plus von 0,9 Prozent zu erwarten ist, mussten die Ökonomen der Notenbank nun ihre Erwartungen kräftig zurückschrauben. Laut aktueller Prognose dürfte die heimische Wirtschaft heuer nur 0,4 Prozent real wachsen. Auch im kommenden Jahr dürfte das Wachstum verhalten bleiben. Der BIP-Zuwachs fällt mit 0,7 Prozent eher dürftig aus. Für 2016 werden 1,6 Prozent für möglich gehalten, auch weniger als zuletzt. Am Arbeitsmarkt bleibt damit die Lage wohl wie erwartet noch länger angespannt. Von den meisten Ökonomen werden rund zwei Prozent Wachstum für notwendig gehalten, um von einer Entlastung am Jobmarkt ausgehen zu können.

Die OeNB geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit 2015 auf 5,3 Prozent ansteigen wird. Die heimische Inflation - seit längerem immer wieder die höchste Rate in der EU oder der Eurozone - dürfte sich auf dem aktuellen Niveau von rund 1,5 Prozent einpendeln, hieß es am Freitag seitens der Notenbank.

Keine technische Rezession

Österreich befindet sich nicht in einer technischen Rezession, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny bei der Präsentation der Prognose. Der niedrige Ölpreis sollte zur Ankurbelung des Wachstums genutzt werden, aber auch Struktur- und Fiskalpolitik seien hier gefragt. Ein normaler Konjunkturaufschwung sei in der Prognose "leider nicht unterlegt", sagte OeNB-Expertin Doris Ritzberger-Grünwald, "eine Rezession sehen wir auch nicht", sondern "eine Erholung in kleinen Schritten".

Österreich sei gut über die Wirtschaftskrise gekommen, sagte Nowotny rückblickend, 2014 bis 2016 weise unser Land aber eine vergleichsweise geringere Dynamik auf. "Wir müssen achten, dass wir nicht in eine strukturelle Wachstumsschwäche geraten. Ich würde das als Warnsignal sehen", betonte der Notenbank-Gouverneur in Richtung Wirtschaftspolitik.

Exportwirtschaft belastet

Aber auch die geringe Wachstumsdynamik des Welthandels und die Konjunkturschwäche im Euroraum belasten die heimische Exportwirtschaft. Die für Österreich maßgeblichen Exportmärkte dürften heuer nur um drei Prozent wachsen, übernächstes Jahr dann um fünf Prozent. Das sei aber deutlich unter den Raten von vor der Krise.

Die heimischen Investitionen werden laut OeNB nur wenig zu einem Aufschwung beitragen können. Das hohe Maß an Unsicherheit bezüglich der Absatzchancen im In- und Ausland werde sich nur langsam zurückbilden, die Investitionskonjunktur daher insgesamt recht schwach bleiben.

Der private Konsum werde sich 2014 und 2015 nur sehr verhalten entwickeln. 2016 würden jedoch wieder stärker wachsende Reallöhne für eine leichte Beschleunigung des Konsumwachstums sorgen. Die für die Eurozone maßgebliche HVPI-Inflationsrate werde 2014 bis 2016 um die 1,5 Prozent pendeln.

Für das gesamtstaatliche Budgetdefizit (laut Maastricht) erwartet die OeNB für heuer mit einer Verschlechterung auf 2,4 Prozent des BIP. Diese budgetäre Verschlechterung gehe insbesondere auf die stark steigenden Vermögenstransfers an Banken im Zuge der Reorganisation der Hypo Alpe Adria Gruppe (Heta) zurück. Für 2016 und 2016 rechnet die OeNB aber mit einer "signifikanten Verbesserung" des Maastricht-Defizits auf 1,8 bzw. 1,4 Prozent des BIP. (APA/red, derStandard.at, 5.12.2014)

  • Auf den Aufschwung wird wohl noch etwas zu warten sein. Österreichs Wachstum ist laut Eurostat schon im dritten Quartal 2014 eingebrochen. Gegenüber dem zweiten Quartal gab es ein Minus von 0,3 Prozent. Schlechter war nur Zypern mit minus 0,4 Prozent.
    foto: ap/stratenschulte

    Auf den Aufschwung wird wohl noch etwas zu warten sein. Österreichs Wachstum ist laut Eurostat schon im dritten Quartal 2014 eingebrochen. Gegenüber dem zweiten Quartal gab es ein Minus von 0,3 Prozent. Schlechter war nur Zypern mit minus 0,4 Prozent.

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