Bei Opel in Bochum stehen die Bänder still

5. Dezember 2014, 09:05
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Am Freitag werden die Bänder endgültig angehalten. Eine 52-jährige Geschichte geht zu Ende, 3.000 Menschen verlieren ihren Job

Hamburg - Bei Opel in Bochum endet an diesem Freitag die Produktion und damit auch eine Ära. Die Bänder der traditionsreichen Fabrik in der Ruhrgebietsstadt werden endgültig angehalten, eine Woche früher, als zunächst vorgesehen war. Gegen halb eins in der Früh lief der letzte Opel vom Band – ein dunkelgrauer Zafira-Familienvan. "Das Herz von Opel hat aufgehört zu schlagen", sagte ein Mitarbeiter später, als er aus dem Werkstor kam.

Die Rüsselsheimer GM-Tochter begründet das frühere Ende damit, dass das geplante Produktionsvolumen von 90.000 Fahrzeugen des Zafira bereits am Freitag erreicht worden sei. Damit geht eine 52-jährige Geschichte des Automobilbaus in Bochum zu Ende. Rund 3.000 Menschen verlieren damit ihren Job

foto: ap/berg
Antreten zur letzten Schicht: Die letzten Bochumer Modelle des Opel-Familienvans Zafira wurden am Freitag montiert, danach standen die Maschinen still.

Und das nach zähem Kampf: Mehr als zehn Jahre haben die Mitarbeiter um ihr Werk gekämpft – mit Verhandlungen und Zugeständnissen bei Lohn und Arbeitszeit, mit Protestaktionen und Streiks, mit dem Gang vor Gericht. Am Freitag nun ist der Kampf endgültig vorbei.

Der Zafira wird künftig im Stammwerk in Rüsselsheim gebaut. Dort soll er so lange produziert werden, bis das Nachfolgemodell auf den Markt kommt, das Opel derzeit mit Peugeot entwickelt.

foto: ap/weihrauch
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag lief der letzte Bochumer Opel vom Band. Von Trauer und von Tränen bei den ehemaligen Mitarbeitern berichten deutsche Medien.

2.500 Bochumer Opelaner sollen in eine Transfergesellschaft wechseln, um für eine andere Beschäftigung qualifiziert zu werden. Die Chancen auf eine neue Stelle in dem von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Ruhrgebiet gelten jedoch als gering. Die Mitarbeiter in dem Werk sind im Schnitt 49 Jahre alt. Einige hundert dürften im Ersatzteilzentrum unterkommen, das auf dem Werksgelände bleibt, andere in einem Paketzentrum, das die Deutsche-Post-Tochter DHL bis 2016 auf dem Werksgelände ansiedeln will.

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Für die meisten war Opel mehr als ein Arbeitgeber. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang sind viele hier ihrem Job nachgegangen.

Nur 200 von ihnen soll eine Beschäftigung an anderen Opel-Standorten angeboten werden. Rund 550 Millionen Euro zahlt die Konzernmutter General Motors nach Gewerkschaftsangaben für die Schließung – vor allem für die Jobbörse und Abfindungen. Im Schnitt erhält jeder Mitarbeiter 125.000 Euro, die versteuert werden müssen.

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Einer von ihnen: der 47-jährige Eric Osladil. Er begann 1984 als Elektriker bei Opel. Für ihn gibt es immerhin einen neuen Job; so glücklich sind nicht viele.

Die Opelaner arbeiten im Durchschnitt schon seit 25 Jahren bei dem Autobauer mit dem Blitz als Markenzeichen. Etwa 1.000 langjährig Beschäftigte sollen am Samstag auf einer Veranstaltung geehrt werden. Am Montag findet dann die letzte Betriebsversammlung statt. Bis zum 12. Dezember werden noch Fahrzeuge ausgeliefert, danach beginnt die Demontage der Anlagen. 700 Arbeitsplätze bleiben zunächst bis zum Jahr 2020 im zentralen Ersatzteillager erhalten.

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Hilmar Born, Herr über das Opel-Museum, vor dem "Vintage-Opel" Rekord. Männer dieser Generation haben die Höhen und Tiefen von Opel hautnah miterlebt.

In der Fabrik auf einem ehemaligen Zechengelände arbeiteten zu Hochzeiten 20.000 Menschen. Modelle wie Kadett, Manta, Astra und später Zafira wurden dort montiert. Eine Entwicklungsgesellschaft, an der die Stadt und Opel beteiligt sind, soll das rund 70 Hektar große Werksgelände aufbereiten und neue Investoren finden. Das Verwaltungsgebäude am Werk I mit dem Opel-Schriftzug auf dem Dach wurde vor kurzem unter Denkmalschutz gestellt.

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Manchem Bochumer wird wohl noch lange das Herz schmerzen, wenn er solche Utensilien im Museum sieht.

Die Schließung der traditionsreichen Fabrik ist neben zahlreichen neuen Automodellen ein wichtiger Bestandteil der Strategie des US-Konzerns, um das chronisch defizitäre Europageschäft bis 2016 in die Gewinnzone zu führen. (Reuters, red, 5.12.2014)

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