Notenbanker protestieren in der Chefetage

5. Dezember 2014, 09:00
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Buhrufe für OeNB-Chefs wegen Umstrukturierung und geplanter Streichung von Sozialleistungen

Wien - Im fünften Stock der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) tat sich vorigen Montag Erstaunliches. Rund 150 Notenbanker ("Gefühlt die halbe Bank", greift ein Beobachter zahlenmäßig höher) waren einem Aufruf des Betriebsrats nachgekommen und fanden sich in der Direktoriumsetage des Hauses am Otto-Wagner-Platz ein.

Eine kleine Demonstration. Unter dem camouflierenden Einladungstitel "Schauen Sie sich die Gemälde in den Gängen des fünften Stocks an" waren die OeNB-Mitarbeiter für kurz vor 14 Uhr in die Chefetage gebeten worden. In einem Sitzungssaal ebendort war, für 14 Uhr, die quartalsmäßige Aussprache zwischen Betriebsrat und Direktorium unter Ewald Nowotny angesetzt.

Galeriebesuch

Gemälde wurden dann nur in zweiter Linie betrachtet, in erster Linie feuerten die Mitarbeiter ihre Belegschaftsvertreter an, die mit dem Arbeitgeber derzeit heftig im Clinch liegen. Buhrufe in Richtung Direktorium seien zu hören gewesen, berichten Teilnehmer; Applaus für die Betriebsratsmitglieder, die von Zentralbetriebsratschef Robert Kocmich angeführt wurden.

Die Notenbankchefs hätten ob der Überraschung irritiert und verschnupft reagiert; viel Federlesens macht man aber mit der Banker-Demo nicht. Die Mitarbeiter seien ihren Belegschaftsvertretern Spalier gestanden und hätten sie eben "moralisch unterstützt", heißt es seitens der Notenbank.

In der Besprechung ging es dann vor allem um jene Themen, die in der OeNB seit Monaten für Unruhe sorgen. Wie berichtet soll die Notenbank umstrukturiert und -organisiert werden. Angepeilt sind Einsparungen von 20 Millionen Euro. Vor kurzem wurde bekannt, dass eine Hauptabteilung demnächst aufgelöst wird, was, wie berichtet, für Irritation der Belegschaft sorgte. Zweites Thema der Quartalsgespräche: die von Direktorium und Generalratspräsidium erwünschte Streichung von Sozialleistungen. Die ersten Schritte der Umorganisation sollen bis März 2015 getan sein, der gesamte Umbau bis 2018 stehen.

Münze bekommt Revision

Umstrukturierungen gibt es auch in der OeNB-Tochter Münze Österreich. Sie muss sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, bekommt eine eigene Konzernrevision, ihr Treasury wandert in die OeNB. Das hat OenB-Direktor und Münze-Chef Kurt Pribil am Donnerstag vor dem Rechnungshofausschuss im Parlament erklärt. Die Münze war in den Schmiergeldskandal rund um ihre Schwester Gelddruckerei verwickelt. (Renate Graber, DER STANDARD, 5.12.2014)

  • Die Notenbank-Belegschaft begleitete die Betriebsräte zum Gespräch mit dem Direktorium und tat dabei ihren Unmut kund.
    foto: matthias cremer

    Die Notenbank-Belegschaft begleitete die Betriebsräte zum Gespräch mit dem Direktorium und tat dabei ihren Unmut kund.

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