Schwarzer nach Einsatz der Polizei gestorben: Wieder keine Anklage 

Video4. Dezember 2014, 18:22
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Ein Schwarzer starb infolge eines Polizeieinsatzes - Weißer Polizist muss nicht vor Gericht

New York / Washington - Es ist ein Sit-in im Neonlichtermeer, zwischen den häuserwandgroßen, grell blinkenden Reklametafeln am Times Square. "I can't breathe", skandieren die Demonstranten im Chor, während sie stundenlang ausharren in der kalten Nacht. "Ich kriege keine Luft mehr": Es waren die letzten Worte Eric Garners, eines schwarzen New Yorkers, der auf dem Weg ins Krankenhaus starb, nachdem ihn Polizisten in den Schwitzkasten genommen und seinen Kopf minutenlang auf das Pflaster eines Bürgersteigs gedrückt hatten.

Garner (43), Vater von sechs Kindern, hatte vor einem Laden auf Staten Island Zigaretten verkauft, einzeln, nicht in Packungen, woraufhin ihn eine Polizeistreife wegen illegaler Geschäfte festnehmen wollte. Während er den Beamten, die ihn umzingelten, im Ton der Verzweiflung zurief, sie sollten ihn endlich in Ruhe lassen, wurde er von hinten zu Boden gerissen. Er litt an Asthma und einem schwachen Herzen. Auf dem Video einer Handykamera, aufgezeichnet von einem Freund Garners, ist die Szene lückenlos zu sehen. Die Aufnahmen lassen keinen Zweifel daran, dass es die Polizisten waren, die einen Mann angriffen, der sich allenfalls mit Worten zur Wehr setzte und keinerlei Bedrohung darstellte.

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Demonstration am New Yorker Times Square

Schon das unterscheidet die Causa Eric Garner vom Fall Michael Browns, des in Ferguson erschossenen Jugendlichen. Während Brown den Ordnungshüter, der ihn anhalten wollte, mit Faustschlägen attackierte, flehte Garner nur, ihn bitte nicht anzurühren. Doch genau wie im Fall Michael Browns entschied eine Grand Jury mit 14 weißen und neun nichtweißen Geschworenen, niemanden vor einen Richter zu stellen. Auch nicht Daniel Pantaleo, der Garner in den Schwitzkasten nahm, obwohl solche Griffe nach den Bestimmungen des New York Police Department verboten sind.

Warum die Entscheidung am Mittwochabend fiel, wie sie fiel, wie viele Jurymitglieder für eine Anklage stimmten, bleibt vorläufig unter Verschluss. Das Gremium tagte im Geheimen. Auch das verbindet Staten Island mit Ferguson. Doch im Unterschied zur Kleinstadt in Missouri, wo nach dem Urteil der Grand Jury reihenweise Geschäfte in Flammen aufgingen, scheinen die Weltbürger der Millionenmetropole gerade die Toleranz ihrer Stadt durch friedlichen Protest unter Beweis stellen zu wollen.

Untersuchung angekündigt

Justizminister Eric Holder will genauer erheben lassen, unter welchen Umständen Garner starb. Nach seinen Worten ist das Misstrauen, das viele Afroamerikaner gegenüber der Polizei empfänden, derart akut, dass man dringend etwas unternehmen müsse. Wahrscheinlich wird es Loretta Lynch sein, Holders bereits ernannte, aber vom Senat noch nicht bestätigte Nachfolgerin, die den Fall noch einmal aufrollt. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 5.12.2014)

  • Donnerstagfrüh blockierten Menschen aus Protest gegen den Jury-Entscheid den Straßenverkehr auf der Brooklyn Bridge.
    foto: ap / jason decrow

    Donnerstagfrüh blockierten Menschen aus Protest gegen den Jury-Entscheid den Straßenverkehr auf der Brooklyn Bridge.

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