Allianz stellt Assets auf nachhaltig um

7. Dezember 2014, 09:48
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Veranlagen und dabei Gutes tun: 95 Prozent der Investments der Allianz sollen auf nachhaltige Anlagen umgestellt werden

Wien - Die Allianz-Versicherungsgruppe in Österreich stellt ihr Veranlagungsportfolio von sieben Milliarden Euro schrittweise auf Nachhaltigkeit um. Nach einem mit dem WWF und anderen Stakeholdern entwickelten Modell wird bis 2030 eine Quote von 88 Prozent angestrebt, bis 2030 sollen es 95 Prozent sein. Das Pilotprojekt soll von möglichst vielen Unternehmen kopiert werden - 2015 überlegt sich der WWF dazu ein eigenes Preismodell.

"Heute sind 17 Prozent unserer Veranlagungen noch mit 'rot' bewertet, das wollen wir in 'grün' umschichten", sagte Allianz-Österreich-Chef Wolfram Littich, der gleich dazusagt, dass die Signale der Münchner Konzernmutter zu dem Projekt positiv seien. Auch noch für die letzten fünf Prozent Nachhaltigkeitsnachweise zu erbringen könnte eventuell mit unvertretbar hohen Kosten verbunden sein, bremst er jedoch überschießende Erwartungen.

Neben den prozentuellen Nachhaltigkeitsschwellen will die Allianz Österreich auch sehr rasch Umweltsignale setzen: So zieht man sich ab 2015 aus Kohleabbau-Investments zur Gänze zurück, allein das entspreche der Einsparung von etwa 600.000 Tonnen CO2 im Portfolio - umgerechnet die Menge Kohlendioxid, die alle Autos in Tirol in einem Jahr ausstoßen, rechnete Littich in einem Pressegespräch vor. Das so frei werdende Kapital wolle man in Erneuerbare Energien reinvestieren und damit den Renewables-Anteil im Unternehmen bis 2020 von derzeit knapp zwölf auf 24 Prozent verdoppeln.

Die Performance der Veranlagungen würde durch den Umstieg auf mehr Nachhaltigkeit nicht leiden, im Gegenteil: Eine gute Rendite gehe damit Hand in Hand, versicherte Littich und verwies auf internationale Studien, etwa die der Harvard Business School von 2011. Dieser zufolge hätten Investments in "high sustainable companys" von 1992 bis 2010 das 22-Fache erbracht, jene in "low sustainable"-Firmen" nur das 15-Fache. Man habe das auch für das Allianz-Portfolio für die Vergangenheit errechnet. Littich: "Hätten wir das bereits 2005 oder gar 1999 angewendet, hätten auch wir einen Renditevorteil gehabt."

Modell universell einsetzbar

Mit der Allianz und dem WWF haben 70 Experten von 40 Organisationen jahrelang an dem Modell gebastelt. Nach ersten Studien ging es ab 2011 ans Eingemachte, "insgesamt haben wir in zwei, drei Jahren rund 1000 Jahre Nachhaltigkeitserfahrung zusammengetragen", sagt WWF-Veranlagungsexperte Armand Colard. Das Resultat sei für Staatsbonds, Aktien und Unternehmensanleihen sowie Pfandbriefe - also eine Mischung aus Emissionen und Deckungsstock - gut anwendbar und geeignet, rund 95 Prozent eines Portfolios nach ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien zu screenen.

Bei der Allianz Österreich wurden 18.000 Positionen von 600 Emittenten analysiert - nicht nur der Deckungsstock in der Lebensversicherung, sondern auch alle Papiere im Sachgeschäft und der Vorsorgekasse, so Littich. Nur fünf Prozent der Veranlagungen blieben unbewertet. Bei der Allianz entfallen 27 Prozent der Kapitalanlagen auf Staatspapiere, 40 Prozent auf Emissionen von Unternehmen und 33 Prozent auf Pfandbriefe. 18 Prozent der sieben Milliarden Euro liegen im "grünen" Bereich, 27 Prozent im "gelben", 38 im "orangen" und 17 Prozent im "roten"; sukzessive soll im Portfolio geswitcht werden, rechnerisch 350 Mio. Euro von Rot nach Grün. Bei Corporate Bonds bestehe Handlungsbedarf, so WWF-Experte Colard. Bei Pfandbriefen bedürfe es leichter Adaptionen, bei Staatsanleihen sollte das Niveau gehalten werden.

Eine Zusammenarbeit mit dem WWF gibt es auch bei der Erste Asset Management. Seit 2006 werden die Aktien für die Fonds "Erste-WWF-Stock-Umwelt" und "Erste-WWF-Stock-Climate" unter anderem mit WWF-Experten gescreent und ausgewählt. Zweimal pro Jahr setzt sich das Investmentgremium zusammen. Ein Teil der Managementgebühr dieser beiden Fonds geht an den WWF, der dieses Geld in das österreichische Wasserschutzprogramm investiert. (APA, bpf, DER STANDARD, 5.12.2014)

  • Nachhaltige, ethische und ökologische Veranlagung: Diese Kriterien baut die Allianz bei ihren Investments stark aus.
    foto: apa/tim brakemeier

    Nachhaltige, ethische und ökologische Veranlagung: Diese Kriterien baut die Allianz bei ihren Investments stark aus.

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