Uni Graz: Psychologe untersucht kreatives Denken bei Musikern

4. Dezember 2014, 15:12
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Was im Gehirn bei kreativen Prozessen vorgeht, hat eine Studie mit Musizierenden erforscht

Graz - Was macht besonders einfallsreiche Personen aus? Und was geht in ihren Gehirnen vor? Diesen Fragen ging Mathias Benedek vom Institut für Psychologie der Uni Graz im Rahmen einer vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie an Musikern und Musikerinnen nach. "Wir wissen, dass Offenheit, unkonventionelles Denkvermögen, technisches Können und praktische Erfahrung eine Rolle spielen", erklärt Benedek.

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter verglichen rund 120 Studierende aus drei unterschiedlichen Fachrichtungen, um detailliertere Aufschlüsse zu erhalten: Klassik, Jazz und Volksmusik, Mit Hilfe von Fragebögen, einem Persönlichkeitstest und zeitlich limitierten Denkaufgaben wurden die kreativen Fähigkeiten abgefragt. Anschließend bewerteten Benedek und sein Team Menge und Originalität der geäußerten Ideen.

Zudem beleuchteten sie den Berufsalltag der Probandinnen und Probanden, der sich ebenfalls auf den Einfallsreichtum auswirkt: Klassische Musiker und Musikerinnen spielen in stark reglementierten Unterrichtssituationen, studieren oftmals in einem Eins-zu-eins-Betreuungsverhältnis und streben nach technischer Perfektion. Anders beim Jazz, der in informellen Settings erlernt wird und bei dem Musikerinnen und Musiker spontan auf musikalische Inputs reagieren. Volksmusiker praktizieren eine Mischform aus geregeltem Unterricht und improvisierten Auftritten.

Originelle Einfälle kommen nicht aus dem Nichts

Im musikalischen Alltag wiesen die Jazz-Musiker die höchste Konzert- und Improvisationsaktivität der drei Gruppen auf. Zudem zeigten sie eine signifikant höhere Bereitschaft, sich auf neue Situationen einzulassen, und fanden kreativere Lösungsmöglichkeiten im Test.

Die Resultate der Studie fließen nun in andere Forschungsvorhaben ein. So widmet sich Benedek zusammen mit Andreas Fink, Emanuel Jauk und Aljoscha Neubauer vom Institut für Psychologie beispielsweise der Frage, was im Gehirn beim kreativen Denken vor sich geht. Diese Untersuchungen mittels neurowissenschaftlicher Methoden bestätigen unter anderem, dass originelle Einfälle nicht etwa aus dem Nichts kommen, sondern am Ende eines kognitiven Prozesses stehen, bei dem Bekanntes oder bereits Erlebtes im Gehirn neu verknüpft wird. (red, derStandard.at, 4.12.2014)

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