Theater und Autoren gegen Mehrwertsteuer-Erhöhung 

4. Dezember 2014, 13:22
3 Postings

Bühnenvereinspräsident Drozda: Katastrophale Auswirkungen für die Kultur - IG Autorinnen Autoren fordern Finanzminister auf, von seinem Vorhaben abzurücken

Wien - "Das ist keine gute Idee!" So kommentiert der Präsident des Wiener Bühnenvereins, VBW-Generaldirektor Thomas Drozda, Überlegungen von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP), den begünstigten Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent, wie er etwa für Bücher, Zeitungen oder Theater- und Konzertkarten gilt, anzuheben. Auch die IG Autorinnen Autoren protestiert gegen eine Anhebung der Mehrwertsteuer.

"Diesen Fehler haben Spanien und Italien bereits gemacht", verweist Drozda auf schlechte ausländische Vorbilder. In Spanien hätten Mehrwertsteuer-Anhebungen katastrophale Auswirkungen für die Kultur gehabt, so Drozda am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Ähnliches sei für Österreich zu befürchten. "Das endet in höheren Subventionen und niedrigeren Auslastungszahlen, also in höheren Pro-Kopf-Zuschüssen für die Eintrittskarten", sagte Drozda. Im Endergebnis käme dies den Staat wohl teurer als eine Beibehaltung der reduzierten Mehrwertsteuer für Kulturveranstaltungen.

Proteste auch von Autorenseite

Heftigen Protest setzte es auch von Autorenseite. "Bücher sollen in Zukunft kein Kulturgut (wie in Frankreich, Deutschland und in den meisten anderen EU-Ländern oder in der Schweiz) mehr sein, sondern eine x-beliebige Ware. Finanzminister Schelling macht damit nicht nur eine jahrzehntelange Aufbauarbeit im österreichischen Verlagswesen zunichte, er sorgt auch für künftig notwendige zusätzliche Bildungsinvestitionen in einem vielfachen Ausmaß dessen, was ihm die jetzige Mehrwertsteueranhebung bringt", so IG Autorinnen Autoren-Geschäftsführer Gerhard Ruiss in einer Aussendung, in der er einige Fragen stellt: "Will Finanzminister Schelling Österreich analphabetisieren? Will der Finanzminister Österreich zum europäischen Buchhöchstpreisland machen? Will er das Buch von einem Kulturgut in einen unattraktiven Konsumartikel und das Lesen in eine überflüssigen Beschäftigung verwandeln?"

"Weltrekordtarife" in Österreich

Der österreichische Mehrwertsteuersatz für Bücher liege mit zehn Prozent bereits jetzt über dem deutschen Mehrwertsteuersatz für Bücher von sieben Prozent, auch beim Buchversand habe Österreich "Weltrekordtarife". "Die IG Autorinnen Autoren fordert den Finanzminister auf, sofort und unmißverständlich (sic) von seinem Vorhaben abzurücken, den begünstigten Mehrwertsteuersatz für Bücher zu streichen", heißt es. "Ein erster schneller Rundblick der Mehrwertsteuerregelungen für gedruckte Bücher und Kulturveranstaltungen zeigt, daß der Vorstoß des österreichischen Finanzministers zur Anhebung der Mehrwertsteuer bei der sensiblen Informations- und Kulturgüterproduktion Österreich zu einem Sonderfall innerhalb der EU machen würde. In so gut wie allen EU-Ländern, in denen ermäßigte Mehrwertsteuersätze eine Rolle spielen, erfährt das Buch eine besonders begünstigte Behandlung. Dasselbe gilt, wenn auch ein wenig abgeschwächt, für Kulturveranstaltungen und Zeitungen und Zeitschriften." (APA, 4.12.2014)

Share if you care.