Zentralbankgeld bleibt im Euroraum billig wie nie

4. Dezember 2014, 14:59
55 Postings

Die Europäische Zentralbank belässt die Leitzinsen auf einem historischen Tief und senkt die Wachstumsprognosen

Frankfurt - Europas Währungshüter halten am Zinstief fest und ringen um weitere Mittel gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche. Der Leitzins im Euroraum bleibt nach Beschluss des EZB-Rates vom Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mit.

Weitere Sondermaßnahmen

Weil das viele billige Geld bisher weder die Teuerung wie gewünscht anheizt noch die Konjunktur richtig in Schwung bringt, wird über weitere Sondermaßnahmen diskutiert. Viele Ökonomen rechnen inzwischen damit, dass die EZB schon bald in den breit angelegten Kauf von Anleihen ("Quantitative Easing", QE) einsteigen wird.

Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt - und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. Allerdings sind Anleihenkäufe umstritten.

Furcht vor Deflation

Im November lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat nur noch bei 0,3 Prozent. Sie entfernt sich damit immer weiter von der EZB-Zielmarke. Die Notenbank strebt mittelfristig stabile Preise bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent an.

Die Mini-Inflation lässt die Furcht vor dem Abrutschen in eine Deflation wachsen - also einer Abwärtsspirale der Preise, welche die ohnehin lahmende Konjunktur weiter bremsen könnte.

Zudem kündigte EZB-Präsident Mario Draghi für Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung über neue geldpolitische Maßnahmen im Kampf gegen die drohende Deflation an: Dann solle bewertet werden, wie die bisher eingesetzten Instrumente gewirkt hätten, sagte der Italiener. Der EZB-Rat sei zu zusätzlichen unkonventionellen Maßnahmen bereit, sollte sie notwendig sein. "Dies würde bedeuten, Anfang nächsten Jahres Größe, Tempo und Zusammensetzung unserer Maßnahmen zu verändern", so Draghi.

Europas Währungshüter rechnen bis mindestens 2016 mit einem geringen Preisauftrieb im Euroraum. In diesem Jahr werde die Inflation auf 0,5 Prozent sinken, sagte Draghi bei der Vorlage der neuesten Prognose.

Pessimistische Aussichten

Die EZB senkte ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr deutlich: So erwartet die Notenbank nun für 2015 eine Jahresteuerung von 0,7 Prozent und für 2016 von 1,3 Prozent. Im September hatte die Notenbank für 2014 noch eine Inflationsrate von 0,6 Prozent, für 2015 von 1,1 Prozent und 2016 von 1,4 Prozent vorhergesagt.

Nachdem die Euro-Wirtschaft auch im dritten Quartal nur leicht um 0,2 Prozent gewachsen ist, steigt auch der Konjunkturpessimismus im Frankfurter EZB-Neubau. Die deutsche Notenbank erwartet nun im laufenden Jahr 0,8 Prozent Wachstum. 2015 dürfte die Wirtschaft mit 1,0 Prozent und 2016 mit 1,5 Prozent wieder etwas stärker anziehen. Im September hatte die EZB der Eurozone noch ein Wachstum von 0,9 Prozent im laufenden Jahr und von 1,6 Prozent 2015 und 1,9 Prozent im Folgejahr zugetraut. (APA, 4.12.2014)

  • Mario Draghi verteidigt seine Politik des billigen Geldes.
    foto: reuters/eriksen

    Mario Draghi verteidigt seine Politik des billigen Geldes.

Share if you care.