Winterwetter: Bisher 1.300 Feuerwehreinsätze in Niederösterreich

4. Dezember 2014, 10:37
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Ruhige Nacht auf Donnerstag - Hardegg wieder erreichbar - Situation in der Steiermark verschärft

Zwettl/Hardegg/Graz - Das anhaltende Winterwetter mit starker Vereisung, insbesondere im Waldviertel, hat bisher 1.300 Einsätze der Feuerwehr nach sich gezogen. Die Nacht auf Donnerstag sei aber ruhig verlaufen, berichtete Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos Niederösterreich, in der Früh. Hardegg im Bezirk Hollabrunn war wieder erreichbar.

Angesichts der durch das Winterwetter vor allem im Waldviertel verursachten Vereisungsschäden öffnet das Land Niederösterreich den Katastrophenfonds. Um Betroffenen zu helfen, stehe ab sofort "vorerst eine Million Euro zur Verfügung", erklärte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) in einer Aussendung am Donnerstag. In Härtefällen sollen bis zu 50 Prozent des Schadens abgegolten werden.

Weiterhin Stromausfälle im Waldviertel

Im Waldviertel, insbesondere im Bezirk Zwettl, waren am Donnerstag nach Angaben von EVN-Sprecher Stefan Zach etwa 500 Haushalte ohne Strom. Noch am Vortag sei die Tagesspitze in der Region bei 2.500 gelegen. Mehr als 250 EVN-Mitarbeiter stehen demnach seit dem vergangenen Wochenende im Dauereinsatz.

Mithilfe von Notstromaggregaten sei es gelungen, die Versorgung in anderen Waldviertler Bezirken wiederherzustellen, sagte Zach. Die Reparatur beschädigter Hochspannungsleitungen werde aber vermutlich Monate dauern.

Notstromaggregate auf dem Weg von Salzburg nach Krems

Niederösterreichs Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner habe am Mittwochabend ein Unterstützungsansuchen für weitere Notstromaggregate gestellt, berichtete der Landesfeuerwehrverband Salzburg. Ein Konvoi mit sieben Fahrzeugen und 16 Mann machte sich deshalb Donnerstagfrüh auf den Weg nach Krems. Die Aggregate - 75, 100 und 150 kVA - werden vom Landesfeuerwehrverband und der Berufsfeuerwehr Salzburg sowie von den FF Salzburg-Stadt, Adnet, Faistenau, Lamprechtshausen und Saalfelden zur Verfügung gestellt.

Entspannung in Hardegg

Entspannung gab es in Hardegg. Donnerstagfrüh wurde die Sperre der L38 und der L1045 aufgehoben. Die Nationalparkgemeinde war somit nicht mehr von der Außenwelt abgeschnitten. Ein einziger Einsatz in der Nacht betraf laut Resperger ein Gartenhaus in Zwettl, das von einem umgestürzten Baum getroffen worden war. Die Arbeiten wurden wegen Gefahr für die Helfer in der Dunkelheit jedoch eingestellt und erst bei Tagesanbruch wieder aufgenommen.

Sperre in Forchtenstein bleibt aufrecht

Im Burgenland blieb die Sperre der L223 auf die Rosalia bei Forchtenstein im Bezirk Mattersburg wegen Eisgefahr weiter aufrecht. In der Früh war erneut der Bergepanzer unterwegs, am Vormittag sollte es eine weitere Erkundungsfahrt geben, hieß es von der Feuerwehr. Laut Polizei war außerdem die B56 über den Geschriebenstein zwischen Rechnitz und Lockenhaus voraussichtlich bis Mittag gesperrt.

Auf der Rosalia hatte in der Nacht Tauwetter eingesetzt. Schmelzwasser tropfte von den Bäumen, auch Eisbrocken begannen abzufallen. Baumwipfel, die sich unter der Eislast gekrümmt hatten, begannen sich durch die Erleichterung wieder aufzurichten. Erstmals seit Tagen war auch minutenlang kein Brechen der Äste und kein Aufschlag umstürzender Bäume mehr zu hören.

Stromausfälle in der West- und Oststeiermark

In der Steiermark hat sich die Wettersituation in der Nacht auf Donnerstag verschärft. Laut Energie Steiermark waren am Vormittag rund 2.200 Haushalte in der West- und in der Oststeiermark ohne Strom. Sie wieder ans Netz zu bekommen sei aber schwierig, da Zufahrtswege gesperrt sind und die Gefahr weiterer umfallender Bäume sehr hoch sei, so Sprecher Urs Harnik-Lauris zur APA.

Die anhaltende Wetterlage mit starker Vereisung wirke sich vor allem in Bereichen von 800 bis 1.000 Meter Seehöhe aus, hieß es seitens des Energieversorgers. Betroffen sind nach wie vor die Gebiete rund um die Koralm, Gleinalm und Schwanberg in den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg. In der Oststeiermark gab es beschädigte Leitungen vor allem im Bereich der Gemeinden Alpl, Birkfeld, Strallegg und Naintsch sowie in den Bezirken Weiz und Hartberg-Fürstenfeld.

Die Einsatzmannschaften der Energie Steiermark - insgesamt sind mehr als 100 Monteure mit Arbeiten beschäftigt - können teilweise gar nicht zu den Störfällen vordringen. Entweder sind die Straßen wegen Gefahr im Verzug behördlich gesperrt oder umgefallene Bäume blockieren die Fahrbahnen. Manche machen sich deswegen zu Fuß auf den Weg, um die Stromkabel von Ästen zu befreien. Viele der 2.200 Haushalte müssten ohne Notstromaggregate auskommen. Eine Entschärfung der Situation sei derzeit nicht in Sicht, sagte Harnik-Lauris.

Wanderwege am Schöckl gesperrt

Auch am Grazer Hausberg, dem Schöckl, mussten alle Wanderwege wegen Gefahr im Verzug gesperrt werden. Der Seilbahnbetrieb wurde eingestellt, da Bäume auf die Seilzüge zu stürzen drohten. Donnerstagvormittag waren zahlreiche Straßen in der Steiermark gesperrt, darunter auch die B54, Wechsel Straße, zwischen der Landesgrenze Steiermark und Mönichkirchen. Weiterhin im Einsatz sind auch die Freiwilligen Feuerwehren, die umgefallene Bäume so gut wie möglich von den Straßen entfernen. (APA, 4.12.2014)

  • Ein Bergepanzer des Bundesheers bei einer Erkundungsfahrt auf der L223 bei Neustift an der Rosalia.
    foto: apa/robert jaeger

    Ein Bergepanzer des Bundesheers bei einer Erkundungsfahrt auf der L223 bei Neustift an der Rosalia.

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