Internationale Allianz verkündet Ende des IS-Vormarschs

4. Dezember 2014, 07:22
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Gruppe aus 59 Staaten bescheinigt sich Erfolge im Kampf gegen "Islamischen Staat", Assad hingegen nennt Luftangriffe wirkungslos

Brüssel - Die internationale Allianz gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hält deren Vormarsch im Irak und in Syrien für nahezu gestoppt. "Truppen des Irak und der kurdischen Regionalregierung gewinnen nun mit Unterstützung von Luftangriffen der Koalition Gebiete zurück", erklärte die Gruppe aus rund 60 Staaten am Mittwoch. Die syrische Regierung bezeichnete die Luftangriffe der US-geführten Koalition hingegen als nahezu wirkungslos.

Treffen der Außenminister in Brüssel

Vertreter der 59 Bündnisstaaten und der EU waren im Brüsseler NATO-Hauptquartier erstmals zu Gesprächen über ihre "langfristige Strategie" zusammengekommen. Das Treffen auf Einladung von US-Außenminister John Kerry fand auf Ministerebene statt und mündete in einer Schlusserklärung, der zufolge der IS-Vormarsch dabei ist, von den Verbündeten "gestoppt zu werden". Es müsse aber auch die Unterstützung der Extremisten durch ausländische Kämpfer gestoppt und ihr Finanzierungssystem untergraben werden.

Kerry: Sieg dauert noch Jahre

Um die IS zu besiegen, bedarf es laut Kerry höchstwahrscheinlich noch mehrerer Jahre. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, drei Monate nach ihrer Bildung sei die Koalition "natürlich weit davon entfernt, IS besiegt zu haben". Immerhin sei es aber gelungen, den Vormarsch der Jihadisten "zu verlangsamen, überwiegend sogar zu stoppen". Frankreichs Präsident François Hollande kündigte noch mehr Unterstützung für den Irak an.

IS-Ausbildungslager in Lybien

Die IS-Miliz besitzt nach Einschätzung der USA mittlerweile auch Ausbildungslager im nordafrikanischen Libyen. Die Trainingscamps im Osten des unruhigen Landes seien "im Entstehen" begriffen und das US-Militär beobachte deren Entwicklung sehr genau, sagte der US-General David Rodriguez am Mittwoch vor Journalisten.

Rodriguez, der das Afrika-Kommando der USA leitet, sprach von "ein paar hundert" Jihadisten, die sich bereits in den Ausbildungslagern in Ostlibyen aufhielten. Danach befragt, ob die Camps ein mögliches Ziel von US-Luftangriffen seien, sagte der General aber: "Nein, im Moment nicht." Die Aktivitäten der Kämpfer in Libyen seien noch "sehr klein" und es werde genau beobachtet, wie sie sich künftig entwickelten, sagte Rodriguez.

Assad: Keine wirklichen Ergebnisse

Syriens Machthaber Bashar al-Assad sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des französischen Magazins "Paris-Match", selbst Monate nach Beginn der US-geführten Luftangriffe gebe es "keine wirklichen Ergebnisse". Für echte Fortschritte sei es "unerlässlich", zusätzlich zu den Luftangriffen eine Bodenoffensive zu führen.

Parallel zur militärischen Strategie hat sich die Allianz laut ihrer Schlusserklärung zum Ziel gesetzt, "die wahre Natur" des IS bloßzustellen und ihn "ideologisch zu delegitimieren". Steinmeier appellierte vor allem an die muslimischen Staaten, diese müssten klarstellen, dass die IS-Kämpfer, die "brandschatzend und mordend" durch Städte und Dörfer zögen, nicht im Namen des Islam handelten. (APA, 4.12.2014)

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