Ölbild gegen Spende für Mütter in Wohnungsnot

4. Dezember 2014, 08:00
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Künstlerin und Immo-Humana organisieren Weihnachtsstube in Wien-Neubau – Verein hilft seit 1997 von Obdachlosigkeit bedrohten Frauen und Kindern

Wien - Ölbilder und Aquarelle zeigen Blumen, abstrakte Motive oder Stillleben; eines eine beschauliche Szene, die an die Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren erinnert. Das kleine Kunstatelier befindet sich im Erdgeschoß der Burggasse 44 in Wien-Neubau – im dritten Stock beherbergt dasselbe Haus das Büro des gemeinnützigen Vereins Immo-Humana.

Die 1997 gegründete kirchennahe Organisation – neben Immobilientreuhändern gehört Dompfarrer Toni Faber zum Vorstand – hilft alleinerziehenden und alleinstehenden schwangeren Frauen in Notlagen bei der Wohnungssuche. Warum gerade diese spezifische Zielgruppe? "Alleinerziehende Frauen kann es in unserer Gesellschaft am Härtesten treffen", sagt Vereinsgründer und -obmann Georg Slawik zum STANDARD.

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Die Künstlerin gibt ihre Bilder gegen Spenden ab.

Bei einem Erstgespräch werde geklärt, ob die Hilfesuchende tatsächlich in einer Notlage steckt und ob sie es "schafft, eine Wohnung selbst zu bewirtschaften", erklärt Slawik weiter. Die Angaben der Frauen würden auch überprüft. "Wenn sich jemand ein größeres Appartement wünscht oder ausziehen will, weil die Großmutter mit den Enkerln schlecht auskommt, ist das keine Notlage." Immo-Humana versteht sich als Anlaufstelle für Frauen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind oder bereits auf der Straße stehen.

Knochenarbeit

Für die drei Teilzeitbeschäftigten und die rund 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter sei die Wohnungssuche Knochenarbeit. Immobilienverwalter, Hauseigentümer und Wohnbauunternehmen werden aktiv kontaktiert und gebeten, eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Das Ziel: Möglichst rasch eine Bleibe finden, die je nach Größe maximal 350 bis 400 Euro brutto im Monat kostet. Geprüft wird auch, ob ein Anspruch auf eine Sozial- oder Gemeindewohnung besteht, meist ist Immo-Humana aber die letzte Anlaufstelle für die betroffenen Frauen.

Kampf, Armut, Probleme

"Es ist ein ständiger Kampf", sagt Obmann Slawik, der selbst im Brotberuf Hausverwalter ist. Neben fehlenden Geldmitteln sind die Frauen meist auch mit anderen Problemen konfrontiert: Arbeitslosigkeit, Gewalt, Krankheit. Kürzlich organisierte der Verein für eine sehbeeinträchtigte Frau und ihren gehbehinderten Sohn ein Dach über dem Kopf.

Die Mietverträge werden entweder von den Frauen selbst oder vom Verein unterschrieben, der dann an die Mütter untervermietet – manche Eigentümer würden andernfalls befürchten, dass der Mietzins nicht beglichen wird, sagt Slawik.

Selbstbestimmung

Wenn es die finanzielle Situation erlaubt, werden Kaution und Vertragsgebühr vom Verein bezahlt. Miet- und Energiekosten übernehmen die Frauen selbst – Selbstbestimmung sei ihnen wichtig. Meist fehle es ihnen dann aber im Alltag am Nötigsten. Deshalb helfe der Verein auch mit Lebensmittelgutscheinen oder Sachspenden. Das Dach über dem Kopf sei aber der erste und wichtigste Schritt, meint Slawik: "Dann geht es aufwärts." Bei den regelmäßigen Treffen und organisierten Ausflügen können sich die Frauen auch nach der erfolgreichen Wohnungssuche noch untereinander oder mit den ehrenamtlichen Betreuern austauschen.

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Kunstatelier im Erdgeschoß, Immo-Humana-Büro im dritten Stock in der Burggasse 44 in Wien-Neubau.

Dem großen Traum, ein ganzes Haus anzukaufen, kommt Immo-Humana immer näher. Es soll vorübergehende Notwohnungen, eine Beratungsstelle, eine Arztpraxis und Gemeinschaftsräume bieten. Spender können einzelne "Bausteine" im Wert von 1.000 bis 5.000 Euro erwerben – zwei Drittel wurden bereits verkauft. Die Spendernamen werden auf der Fassade des künftigen Standortes verewigt.

Weihnachtsstube für den guten Zweck

Dass sich das kleine Kunstatelier im selben Zinshaus befindet, wie das derzeitige Immo-Humana-Büro ist übrigens kein Zufall. Die Künstlerin Rano Zavudinova landete vor einigen Jahren nach ihrer Scheidung selbst auf der Straße und engagiert sich seither ehrenamtlich für die Hilfsorganisation. Als das Geschäftslokal im Erdgeschoß frei wurde, mietete sie es an.

Bis 24. Dezember fungiert es nun als Weihnachtsstube für den guten Zweck. Von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und betroffenen Müttern handgemachte Weihnachtsdekorationen sowie die von der Künstlerin zur Verfügung gestellten Bilder werden gegen Spenden abgegeben. Immer freitags von 15 bis 18 Uhr dürfen auch Außenstehende beim Basteln helfen. (Christa Minkin, derStandard.at, 4.12.2014)

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