Lufthansa-Piloten streiken am Donnerstag

3. Dezember 2014, 15:40
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Langstrecken- und Frachtflüge betroffen - Germanwings wird nicht bestreikt

Frankfurt am Main/Frankfurt - Kurz vor Ende der mittlerweile neunten Streikwelle bei der Lufthansa hat die Pilotenvereinigung Cockpit zu einem neuen Ausstand am Donnerstag aufgerufen. Betroffen seien Langstrecken- und Frachtflüge, teilte Cockpit am späten Dienstagabend mit. Kurz- und Mittelstreckenflüge sowie Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings würden nicht bestreikt.

Die jüngsten Verhandlungsrunden zur Übergangsversorgung hätten gezeigt, dass es nach wie vor "erhebliche Differenzen" gebe. "Deshalb wurde beschlossen, die für diese Woche geplanten Arbeitskampfmaßnahmen in ihrem Umfang auszudehnen", hieß es.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte am Dienstag ihren Kurzstrecken-Streik vom Vortag auf alle Lufthansa-Verbindungen inklusive der Fernflüge ausgeweitet. Der auf 36 Stunden angesetzte Ausstand sollte bis Mitternacht dauern. Lufthansa hatte deshalb nach eigenen Angaben von Montag bis Mittwoch knapp 1.400 Flüge gestrichen. Betroffen seien rund 150.000 Passagiere. Der Streik am Donnerstag soll den Angaben zufolge von 03.00 Uhr früh bis Mitternacht dauern.

Streit um künftigen Kurs des Konzerns

In der seit Monaten andauernden Tarifauseinandersetzung geht es unter anderem um die Übergangsrenten der 5.400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Hinter den Kulissen schwelt zusätzlich ein erbitterter Streit um den künftigen Kurs des Konzerns. Die Piloten der neuen "Wings"-Familie sollen nicht nach den bislang gültigen Konzerntarifen bezahlt werden.

Für die neue Billig-Langstrecken-Fluglinie Eurowings gab der Aufsichtsrat am Mittwoch grünes Licht, so Konzernchef Carsten Spohr. Geplant sei der Start ab Ende 2015 mit drei Flugzeugen ab Köln - später solle die Flotte auf sieben Maschinen erweitert werden.

Als Partner für den Betrieb habe der Charterflieger Sun-Express - ein Joint Venture der Deutschen mit Turkish Airlines - den Zuschlag erhalten. Unter dem Dach der neuen Airline will die Lufthansa ihre bisherigen Töchter Eurowings und Germanwings sowie "weitere Flugbetriebe in Europa" unterbringen. Anbieten soll die neue Fluggesellschaft "kostengünstige Kurz- und Langstreckenangebote".

Die "neue Eurowings" sei die Antwort der Lufthansa auf eine der großen Herausforderungen der europäischen Airline-Industrie, erklärte Konzernchef Carsten Spohr. Die Lufthansa stehe bereits seit vielen Jahren im harten Wettbewerb mit stark wachsenden Billig-Fluggesellschaften. Diese Entwicklung werde sich verstärkt auch auf das Langstreckengeschäft ausweiten.

Unverständnis über Streik-Ankündigung

Auf die neue Streik-Ankündigung reagierte Lufthansa nach eigenen Angaben "mit vollkommenem Unverständnis". Damit werde dem Unternehmen und insbesondere seinen Kunden "zum zweiten Mal in dieser Woche großer Schaden (...) zugefügt", teilte ein Konzernsprecher mit.

Die Frachtsparte Lufthansa Cargo hatte auf die neunte Streikwelle insbesondere mit Flugverlegungen reagiert, komplett absagen musste sie nach Firmenangaben keinen Frachtflug. Auch der erste Flug der neuen Passagier-Verbindung von München nach Miami startete planmäßig aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Ersatzflugplan im Einsatz

Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstag, der Ersatzflugplan werde planmäßig abgeflogen, in den Terminals sei es entsprechend ruhig zugegangen. Ziel sei ein schneller Neustart des gesamten Netzes nach Streikende um Mitternacht. Flüge der Lufthansa-Tochter Germanwings sowie der Konzerngesellschaften Swiss, AUA und Brussels Airlines waren nicht betroffen. Den Schaden nach acht Streikrunden hatte Lufthansa auf 170 Millionen Euro beziffert.

Kleinteiligen Streit gab es am Frankfurter Flughafen um eine Personalversammlung der Piloten, die Lufthansa nicht auf ihrem Gelände dulden wollte. Die VC kritisierte das als "massive Behinderung der Personalvertretung" und hielt dem Management vor, sich vor den kritischen Fragen der Piloten zu drücken. "Unser Chefpilot hätte gerne an der Versammlung teilgenommen", sagte ein Unternehmenssprecher. Das sei ihm als Chef des Krisenstabs während eines Vollstreiks aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht möglich gewesen.

Die Verhandlungen zwischen der Vereinigung Cockpit und der Fluggesellschaft waren in der Nacht zum Samstag erneut gescheitert. Derzeit gehen die Piloten im Durchschnitt mit knapp 59 Jahren in den allein von der Firma bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will diesen Schnitt für Bestandspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die VC verlangt auch für neu eingestellte Piloten finanzielle Unterstützung zum Vorruhestand. (Reuters, 3.12.2014)

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