Spanische Klubs gehen gegen Ultras vor

2. Dezember 2014, 18:46
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Atlético distanziert sich von radikaler Gruppe und will Mitgliedschaften kündigen - Ultras könnten verbannt werden

Madrid - Spaniens Fußballmeister Atlético Madrid und Deportivo La Coruna gaben am Dienstag den endgültigen beziehungsweise zeitweiligen Ausschluss von Ultra-Gruppen bekannt. Beide ziehen damit Konsequenzen aus dem Tod eines Fans bei Krawallen vor dem Aufeinandertreffen der beiden Teams am Wochenende in Madrid.

Die Führung von Atlético teilte mit, die Gruppe "Frente Atlético" sei ab sofort nicht mehr der offizielle Fanklub des Vereins. Angehörigen solle die Mitgliedschaft auf Lebenszeit gekündigt werden, hieß es.

Deportivo will nach eigenen Angaben bei den kommenden beiden Heimspielen - am Mittwoch im Cup gegen Malaga und am Samstag im Liga-Duell gegen den selben Gegner - jene Tribüne "symbolisch schließen", die für die Ultras reserviert ist. Weitere Maßnahmen könnten in den nächsten Tagen folgen, ließ man wissen.

Am Montag hatte die oberste Sportbehörde des Landes (CSD) nach einer Krisensitzung der Anti-Gewalt-Kommission des Ministeriums für Inneres angekündigt, man erwäge, die Ultras aus allen Stadien zu verbannen. Das Vorgehen will man am Donnerstag bei einem Treffen mit Vertretern der Profiliga und des Verbandes beraten und beschließen.

Gewalttäter vor dem Richter

21 Gewalttäter, die nach den Krawallen festgenommen worden waren, wurden unterdessen am Dienstag dem Ermittlungsrichter in Madrid zum Verhör vorgeführt. Die Polizei legt ihnen unter anderem Beteiligung an einer Massenschlägerei sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt zur Last. Eine Anzeige wegen Totschlags werde noch nicht erwogen, berichteten Medien unter Berufung auf die zuständigen Behörden.

Vor dem Spiel zwischen Atlético und Deportivo (2:0) war es am Sonntag zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rund 200 Ultras gingen in der Nähe des Atletico-Stadions mit Stöcken, Messern und Flaschen aufeinander los. Ein Deportivo-Fan wurde in den Fluss Manzanares geworfen. Der 43-Jährige erlitt einen Herz- und Atemstillstand und eine Gehirnerschütterung. Er starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Die Ausschreitungen lösten Erschütterung und Empörung im Land aus. Die Gewalt im Fußball forderte in Spanien nach amtlichen Angaben seit 1982 elf Menschenleben. (APA/red - 2.12. 2014)

  • Die radikale "Frente Atlético" könnte ihren Kampf bald hinter sich haben.
    foto: apa/epa/lizon

    Die radikale "Frente Atlético" könnte ihren Kampf bald hinter sich haben.

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