London sagt Milliarden für neue Atomkraftwerke zu

2. Dezember 2014, 17:43
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Drei Reaktoren gehören zum Moorside-Projekt bei Sellafield

London - Die britische Regierung hat am Dienstag Milliarden-Garantien unterzeichnet, mit deren Hilfe in der Nähe der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in Cumbria drei neue Atommeiler gebaut werden sollen. Das Unternehmen NuGeneration Limited gab die Vereinbarung bekannt. NuGeneration Limited ist ein Gemeinschaftsunternehmen der französischen Gesellschaft GDF Suez und dem japanischen Unternehmen Toshiba.

Das Projekt Moorside von NuGeneration Limited ist das größte Vorhaben zur Errichtung von Atomkraftwerken, das in Europa derzeit betrieben wird. Im Gegensatz zu Deutschland setzt Großbritannien auch nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima weiterhin auf Atomkraft.

Hinkley Point

Neben dem Moorside-Projekt in Cumbria im Nordwesten Englands wird derzeit das Projekt Hinkley Point im westenglischen Somerset betrieben, hinter dem ein französisch-chinesisches Konsortium steht. Die Europäische Union empfahl im September, dieses Projekt umzusetzen.

Das Vorhaben Moorside wird aus drei Reaktoren des Typs Westinghouse AP1000 bestehen. Dabei sollen 2,3 Milliarden Pfund (rund 2,9 Milliarden Euro) in den Ausbau von Anlagen gegen die Überflutung der Reaktoren investiert werden, 15 Milliarden Pfund in die Straßen-Infrastruktur.

Finanzminister: "Froh über Vereinbarung"

Finanzminister George Osborne erklärte laut NuGeneration, die Regierung sei froh über die Unterzeichnung der Vereinbarung. Die Investitionen in die neuen Atomkraftwerke seien "Teil unseres langfristigen Plans, Großbritannien mit der Energie zu versorgen, die es in den kommenden Jahrzehnten benötigt".

Der erste Reaktor soll 2024 ans Netz gehen. Derzeit verfügt Großbritannien über 16 Atommeiler, sie produzieren etwa ein Fünftel des Energiebedarfs. Aus der Sicht der Regierung in London ist die Atomkraft ein zentrales Element bei der Verringerung von umweltschädlichen Treibhausgasen.

Kernschmelze in Fukushima

Das japanische Kernkraftwerk Fukushima wurde im März 2011 von einem Erdbeben und einem Tsunami schwer beschädigt. Durch die Naturkatastrophe kamen mehr als 18.000 Menschen ums Leben. In der Folge kam es in drei Reaktoren zur Kernschmelze. Es war die weltweit größte Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986. In Deutschland wurde nach dem Unglück von Fukushima der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen.

An der berüchtigten Wiederaufbereitungsanlage Sellafield waren erst Anfang des Jahres wieder erhöhte Strahlenwerte gemessen worden. Im größten Atomkomplex Europas kam es bereits mehrfach zu Zwischenfällen, darunter der schwerste Atomunfall in der britischen Geschichte: 1957 brach in einem der Reaktoren ein Brand aus, wodurch radioaktives Material freigesetzt wurde. 2005 wurde radioaktiver Abfall entdeckt, der vermutlich über Monate hinweg ausgetreten war. (APA, frei, derStandard, 2.12.2014)

  • Bei Sellafield sollen drei neue Atommeiler errichtet werden.
    foto: reuters/david moir

    Bei Sellafield sollen drei neue Atommeiler errichtet werden.

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