"Korrektes Kunstverständnis": China will Künstler aufs Land schicken

2. Dezember 2014, 16:28
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Regierungsbehörde will, dass Kulturschaffende künftig von der Landbevölkerung lernen und ihr Weltbild überdenken - Erinnerungen an Praktiken Mao Tse-tungs werden wach

Peking - Jahrzehnte nach der zwangsweisen "Umerziehung" von Intellektuellen während der Mao-Ära will China seinen Kulturschaffenden "ein korrektes Kunstverständnis" vermitteln. Filmemacher, Fernsehschaffende und andere Künstler sollen künftig unter der Landbevölkerung in abgelegenen Gegenden leben, um so ihr Weltbild zu überdenken, wie die zuständige Regulierungsbehörde am Montag bekannt gab.

Mit ihrem Vorschlag weckte die Staatsverwaltung für Presse, Publikationen, Radio, Film und Fernsehen (SAPPRFT) Erinnerungen an ähnliche Praktiken während der "Kulturrevolution" unter Mao Tse-tung, die China von 1966 bis 1976 in ein Jahrzehnt des Chaos stürzte.

Kontrollen und Zensur

Kulturschaffende sind in China ohnehin schon strikten Kontrollen, staatlicher Zensur und ideologischen Beschränkungen unterworfen, die unter dem seit März 2013 amtierenden Präsidenten Xi Jinping weiter verschärft wurden. Schon vor einigen Wochen hatte Xi einer Künstlergruppe empfohlen, nicht mit "vulgären" Werken nach Popularität zu streben und zu "Sklaven des Marktes" zu werden, sondern stattdessen lieber den Sozialismus anzupreisen. Staatsmedien verglichen seine Äußerungen mit einer historischen Rede Maos aus den 40er-Jahren, in der dieser postuliert hatte, dass die Kunst stets der Politik dienen müsse.

Die Regulierungsbehörde SAPPRFT legte jetzt nach und kündigte eine Kampagne an, bei der Mitarbeiter von Film- und Fernsehproduktionen für ein Vierteljahr in Dorfgemeinschaften, Kleingemeinden und Bergbauregionen geschickt werden sollen, um den Kreativschaffenden "Feldstudien und Erfahrungen mit dem Leben" zu ermöglichen. Drehbuchautoren, Regisseure, Rundfunkanstalter und Fernsehmoderatoren sollen demnach ebenfalls für mindestens 30 Tage "in grenznahe oder von Minderheiten bewohnte Gebiete" geschickt werden oder in Regionen, "die maßgeblich zum Sieg des Landes im Revolutionskrieg beigetragen haben".

"Mehr Meisterwerke hervorbringen"

Die Reform werde den Kunstschaffenden dabei helfen, "ein korrektes Kunstverständnis herauszubilden und mehr Meisterwerke hervorzubringen", lautete die offizielle Begründung der Regulierungsbehörde. Doch in sozialen Online-Netzwerken wie dem chinesischen Twitter-Pendant Sina Weibo wurde der Vorstoß mit Besorgnis aufgenommen. "Ist das eine neue Kulturrevolution?", fragte ein irritierter Nutzer. Ein anderer schrieb mit Blick auf drei der meist verehrten chinesischen Schriftsteller: "Ich wüsste gerne, wer Lu Xun, Lao She und Mo Yan (den Literaturnobelpreisträger von 2012) zum Leben in Dorfgemeinschaften verdonnert hat."

Zu Zeiten Maos wurden zahllose Intellektuelle und Dissidenten aufs Land geschickt, um zusammen mit der armen Bauernbevölkerung schwere körperliche Arbeit zu verrichten. 1966 entfesselte der "Große Vorsitzende" der Kommunistischen Partei die sogenannte Kulturrevolution, um seine gefährdete Machtposition zu festigen. Ideologisch aufgehetzte Jugendliche schlossen sich damals zu den Roten Garden zusammen, die Intellektuelle, Nachbarn, Verwandte an den Pranger stellten, misshandelten und deren Häuser plünderten. Westliche Historiker schätzen, dass allein 1967 eine halbe Million Menschen in China getötet wurden. (APA, 2.12.2014)

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