Costa Concordia: Anklage fordert 20 Jahre Haft für Kapitän 

2. Dezember 2014, 16:09
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Francesco Schettino sagt erstmals aus und belastet Steuermann: "Hat Befehle nicht begriffen"

Rom - Die Staatsanwaltschaft der toskanischen Stadt Grosseto hat für den Costa Concordia-Kapitän Francesco Schettino 20 Jahre Haft wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Dies betonte Staatsanwalt Francesco Verusio, der die Ermittlungen gegen Schettino geführt hatte, am Dienstag.

Zuvor hatte Francesco Schettino, Kapitän des 2012 vor der toskanischen Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffes, erstmals seit Beginn des Prozesses gegen ihn vor Gericht ausgesagt. Fast eineinhalb Jahre nach Start des strafrechtlichen Verfahrens in der toskanischen Stadt Grosseto antwortete der Kapitän auf Fragen der Staatsanwälte und des Gerichtspräsidenten zur Havarie.

"Die Verneigung"

Der Kapitän, von 2006 bis zum Unglück im Dienst der Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, Betreiberin der Costa Concordia, rechtfertigte die gefährliche Kursänderung des Schiffs. Er bestätigte, dass er vor der Insel ein "Die Verneigung" genanntes Manöver vorführen wollte, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt. Damit habe Schettino einen befreundeten Kapitän grüßen wollen, der sich auf der Insel befand, und zugleich den Passagieren an Bord die Insel von der Nähe zeigen. Er sei als Kapitän nicht verpflichtet gewesen, die Reederei über seine Pläne zur Kursänderung zu informieren. Während des Manövers war das Schiff gegen einen Felsen geprallt.

Der 54-jährige Kapitän, der im grauen Anzug erschien und bei seiner Aussage von den Fernsehteams nicht gefilmt werden wollte, dementierte, dass er sich zur "Verneigung" entschlossen habe, um seine Ex-Geliebte, die Moldawierin Domnica Tschemortan, zu beeindrucken. Diese hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf der Kommandobrücke des Kreuzfahrtschiffes aufgehalten. Schettino berichtete, es sei normal, Gruppen von Passagieren auf die Kommandobrücke einzuladen, damit sie bei Manövern des Kapitäns zusehen können.

"Strukturelle Probleme" auf dem Schiff

Schettino erklärte, dass ihn die Bilder des Unglücks immer noch quälen. "Man hätte dieses Unglück verhindern können", versicherte der Kapitän. Seine Anwälte betonten, dass die 32 Todesopfer nicht eine Folge des Unfalls, sondern struktureller Probleme auf dem Schiff gewesen seien, von denen ihr Mandant nicht informiert war, wie etwa dem Fehlen eines Stromgenerators. Strukturelle Mängel des Schiffes hätten die Evakuierung der Passagiere wesentlich erschwert, betonten die Anwälte.

Schettinos Anwalt Fabio Targa betonte, dass sich Schettino stets um die Klärung der Hintergründe der Havarie bemüht habe. "Er hat sich seiner Verantwortung vor Gericht nicht entzogen. Das ist kein Prozess gegen einen Mörder oder einen Kriminellen, sondern gegen eine anständige Person", sagte Schettinos zweiter Anwalt, Domenico Pepe. Anders sah die Lage Staatsanwalt Francesco Verusio. Dem Kapitän drohen mindestens 20 Jahre Haft.

"Aus Versehen" ins Rettungsboot

Der Süditaliener, der auch am Mittwoch vor Gericht aussagen wird, muss sich seit Juli 2013 unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Verursachung von Umweltschäden verantworten. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff zu früh verlassen zu haben. Schettino hatte stets seine Unschuld beteuert. Er hatte widersprüchliche Angaben über sein Verhalten in der Unglücksnacht gemacht, beispielsweise hatte er gesagt, "aus Versehen" in ein Rettungsboot gerutscht zu sein und die Evakuierung von einem Felsen aus geleitet zu haben.

Die Costa Concordia war am 13. Jänner vor drei Jahren vor der toskanischen Insel Giglio auf einen Felsen aufgelaufen und havariert, 32 Menschen starben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich retten konnten. Am Montag hatte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, der sich an Bord des havarierten Schiffes befand, beim Prozess in Grosseto als Zeuge ausgesagt.

Prozess in der Endphase

Nach Schettinos Aussage tritt der Prozess gegen den Kapitän in die Endphase. Zu einem Urteil könnte es bereits im Jänner kommen. Der Prozess hatte im Juli 2013 begonnen, war aber immer wieder unterbrochen worden. Das Wrack der "Costa Concordia" wurde im Juli zum Verschrotten nach Genua geschleppt. (APA, frei, derStandard.at, 2.12.2014)

  • Kapitän Francesco Schettino auf dem Weg zu seiner ersten Aussage vor Gericht. Er hatte 2012 das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia gegen einen Felsen gesteuert.
    foto: ap/giacomo aprili

    Kapitän Francesco Schettino auf dem Weg zu seiner ersten Aussage vor Gericht. Er hatte 2012 das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia gegen einen Felsen gesteuert.

  • Artikelbild
    foto: ap/gregorio borgia
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