Samsung Note Edge im Test: Die Krux mit der Display-Krümmung

7. Dezember 2014, 17:09
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Androide mit guten Leistungsdaten und origineller Ästhetik - gebogener Rand überzeugt nicht

Eines vorweg: Samsungs Mut zu Experimenten verdient Anerkennung. Mit dem Galaxy Round hatte man bereits ein nach innen gewölbtes Smartphone am Markt, das aber nicht so recht Erfolg haben wollte. Das Galaxy Note Edge, quasi der eigenwillige Bruder des Business-Handys Note 4 stellt nun den zweiten Anlauf dar.

Seine Besonderheit: der rechte Bildschirmrand ist auf einer Breite von etwa einem Zentimeter zur Gehäusekante hin gekrümmt und dient dort als Fläche für besondere Eingabemöglichkeiten. Der WebStandard hat sich genauer mit diesem Konzept auseinander gesetzt.

foto: derstandard.at/pichler
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Im Kern, also unter der Haube, gleicht das Edge dem Note 4. Zum Einsatz kommt Qualcomms Snapdragon 805-Chip, der eine auf 2,7 GHz getaktete Quadcore-CPU mitbringt. Ihm werden satte drei GB Arbeitsspeicher zur Seite gestellt. Der interne Speicher umfasst je nach Modell 32 oder 64 GB.

Der Speicherplatz lässt sich erweitern. Unter der sich billig anfühlenden und auch nicht übermäßig hochwertig aussehenden Rückseite des sonst sehr gut verarbeiteten Geräts verbirgt sich ein microSD-Steckplatz. Ebenfalls findet sich hier der Einschub für die microSIM und der mit 3.000 mAh bemessene Akku, der herausgenommen und ersetzt werden kann.

foto: derstandard.at/pichler
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Auf der Vorderseite befindet sich das AMOLED-Display, das mit 5,6 Zoll etwas kleiner ausfällt als beim Note 4, aber die gleiche Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel (sowie weitere 160 x 1.440 Pixel für die Seite) mitbringt. Nachdem der gekrümmte Rand gegen die Verwendung des Edge als Virtual Reality-Display spricht, ist die Pixeldichte von 515 PPI ein Gimmick ohne Mehrwert, da der Unterschied zu einem 1080p-Panel mit freiem Auge nicht erkennbar ist. Dafür brilliert der Bildschirm aber mit satten Farben, schönen Kontrasten und hoher Leuchtkraft.

Vorinstalliert ist Android 4.4, wobei das Handy im kommenden Jahr eine Aktualisierung auf das aktuelle Android 5.0 "Lollipop" erhalten wird. Wie üblich nutzt Samsung seine eigene Oberfläche "Touchwiz", die für die Verwendung mit dem auf eine Breite von circa einem Zentimeter gebogenen Randbereich etwas umgebaut wurde. Verschiedene Software-Features von Touchwiz werden im Test des Note 4 übrigens detaillierter beschrieben.

foto: derstandard.at/pichler
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Der namensgebende "Edge" ist mit einer seitlichen Wischbewegung aufrufbar und zeigt dann etwa ein Sortiment von vordefinierten Apps an oder bietet Schnellzugriff auf die Sonderfunktionen des beigelegten "S-Pen"-Stifts, mit dem es sich gewohnt gut am Bildschirm skizzieren und schreiben lässt. Auch kurze Informationshäppchen wie das Wetter in New York oder Spielstände von Sportereignissen lassen sich dort abbilden. Wer will kann den Randbereich auch als Nachtuhr nutzen und sein Design anpassen.

Zu den Einstellungen des Bereichs gelangt man ebenfalls mit einem Wischen, von unten nach oben, während die gleiche Geste auf der gegenüberliegenden Seite Zugriff auf Stoppuhr, Wecker, Taschenlampe und ein Lineal ermöglicht. Letzteres ist ein netter Kniff, auch wenn der Alltagsnutzen sich wohl in Grenzen hält.

Was wie eine nette Idee zur Komfort-Verbesserung wirkt, erweist sich auf Dauer aber als ergonomisches Problem. Der Krümmung musste die Ein/Aus-Taste weichen. Sie sitzt nun am oberen Rand und ist dort mit einer Hand nur schwer erreichbar. Da sich der Bildschirm auch mit der "Home"-Taste unter dem Display einschalten lässt, ist dies aber noch verschmerzbar. Ein Problem ist jedoch die zu hoch angebrachte Lautstärkewippe, für deren einhändige Bedienung schon etwas Fingerakrobatik gefragt ist.

foto: derstandard.at/pichler
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Samsung hat auch die Kamera-App an die neuen Gegebenheiten angepasst und Steuerelemente an besagten Rand verfrachtet. Das hat beim Absetzen des Fingers oft das unabsichtliche Auslösen eines Fotos oder einer Videoaufnahme zur Folge, da der übrige Gehäuserand schlicht zu dünn ist. Auch bei anderen Bedienvorgängen besteht oft die Gefahr, versehentlich eine am "Edge" geparkte Funktion zu triggern. Auffallend ist, dass neben Kamera, dem Notizprogramm S Note, dem Musikplayer und Sprachmemo keine der zahlreichen vorinstallierten Apps von Samsung selbst Sonderfunktionen für den Randbereich mitbringt.

Außerdem ist zu bedenken: die abgesenkte Displayseite ist bei einem Fall des Handys einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt, Schaden zu nehmen, als bei einer konventionellen Konstruktion. Denn es gibt entlang des Randbereiches kein vorstehendes Gehäuseelement, das zwischen dem Bildschirm und dem Bodenbelag stehen würde.

foto: derstandard.at/pichler
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Ungeachtet der Kante liefert das Galaxy Edge im Alltag ordentliche Performance, wie man sie von der Hardware erwarten darf. Durch die Menüs des Systems navigiert es sich flüssig und verzögerungsfrei, Apps starten schnell. Weder beim Browsen, noch bei Multimediawiedergabe oder Games geht das Smartphone in die Knie.

Das bestätigen auch die Benchmarks. Beim Allroundtest Antutu erzielt das Note Edge mit 46.500 Zählern nur etwas weniger wie das Note 4. Bei Vellamo liegt es mit 3.430 Zählern klar über dem Galaxy S5. Im Schnitt 57 Bilder pro Sekunde werden beim 3D-Test mit Epic Citadel erreicht.

Lob verdient sich die Kamera, augenscheinlich das gleiche Modul wie im Note 4 mit 16 MP Auflösung. Entsprechend liefert sie Fotos mit satten Farben und guten Kontrasten. Nur gelegentlich zielt der Autofokus daneben. Die Kamera bietet auch Videoaufnahmen in 4K oder Zeitlupe. Ordentliche Resultate erbringt auch die Frontkamera mit 3,7 MP. Es stehen verschiedene Aufnahmemodi zur Verfügung, weitere lassen sich herunterladen. Dies setzt allerdings ein Samsung-Konto voraus.

foto: derstandard.at/pichler

Seinem Bruder entspricht das Edge auch hinsichtlich der ordentlichen Empfangsstärke und seinen Konnektivitätsoptionen. Ins Netz kommt das Handy per WLAN (802.11ac), 3G und LTE. Daneben sind auch noch Bluetooth 4.1 LE, GPS/GLONASS-Navigation und ein Infrarotmodul an Bord. Letzteres wird von der vorinstallierten Fernbedienungssoftware verwendet, die auch allerlei Geräte unbekannterer Geräte unterstützt.

Ebenfalls mit dabei sind der Fingerabdruckscanner im Homebutton sowie der Pulsmesser auf der Rückseite. Wenig überraschend sind die zwei Sensoren auch am Edge kaum mehr als eine Spielerei, ist ihr Einsatzszenario doch noch recht beschränkt und ihre Erfassungsgenauigkeit ausbaufähig.

foto: derstandard.at/pichler

Der Akku des Smartphones hinterlässt einen guten Eindruck. Selbst bei häufiger Nutzung geht das Gerät mit ausreichend Reserven in den Abend, obwohl er etwas geringer bemessen ist als beim Note 4. Er unterstützt ebenfalls Fast Charge und kann in 30 Minuten von Null auf 60 Prozent geladen werden.

Beim Telefonieren liefert das Edge gute Sprachqualität ab. Auf beiden Seiten ist das jeweilige Gegenüber klar verständlich und ausreichend laut. Der rückseitige Lautsprecher allerdings enttäuscht mit blechernem Klang.

Fazit

Das Samsung Galaxy Note Edge ist hardwareseitig beinahe eine 1:1-Kopie des Galaxy Note 4, mit dem es sich alle Vorteile teilt. Weder das gute Display, die gelungene Stiftintegration, die tolle Kamera oder der ausdauernde Akku geben Anlass für Kritik. Kleine Abstriche erhält die Rückseitenabdeckung, die nicht gerade einen hochwertigen Eindruck macht.

Damit bleibt der gekrümmte Displayrand als einziges relevantes Unterscheidungsmerkmal. So originell die Idee sein mag, wirklich einfacher macht sie die Bedienung des Geräts nicht. Dafür schafft sie Probleme in puncto Ergonomie und erhöht das Risiko von Rissen und Brüchen des Bildschirms, sollte das Handy einmal aus der Hand gleiten.

Im freien Handel ist das Note Edge um rund 800 Euro zu haben. Wer ein großes Smartphone mit Stifteingabe sucht, ist beim rund 130 Euro günstigeren Note 4 besser aufgehoben. (Georg Pichler, derStandard.at, 03.12.2014)

Testfotos

foto: derstandard.at/pichler
Tageslicht, Schlechtwetter
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Tageslicht, Schlechtwetter
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Tageslicht/Kunstlich
foto: derstandard.at/pichler
Kunstlicht
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Obligatorisches Katzenfoto (Tageslicht/Kunstlicht)

Das Testgerät wurde der Redaktion von Samsung Österreich für befristete Zeit zur Verfügung gestellt.

Links

Samsung Galaxy Note Edge

Nachlese

Galaxy Note 4: Samsungs neues Riesenhandy im Test

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