Firmenchefs meist informiert über Bestechung

2. Dezember 2014, 18:32
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Rohstoff-, Bau- und Computerindustrie sind Biotope der Korruption. Fast jeder zweite Firmenchef weiß es laut OECD, wenn Schmiergeld an Amtsträger gezahlt wird. Anfällig sind auch Zoll- und Militärbeamte

Wien - Besonders anfällig für Bestechung sind weltweit vier Branchen: Rohstoffindustrie, Baugewerbe, Verkehr & Lagerung sowie Information & Kommunikation. Jeder fünfte Schmiergeldfall stammt aus der Rohstoffbranche, jeder zehnte aus der Kommunikationsbranche und je 15 Prozent aus Bau und Verkehr.

Das ist das Ergebnis des ersten Reports über Auslandsbestechung, den die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag präsentiert hat. Untersucht wurden für den "Foreign Bribery Report" 427 Korruptionsfälle.

Auffällig daran: Adressaten von Bestechung sind in der Regel ausländische Amtsträger, allerdings nicht primär in der Dritten Welt, sondern in eher entwickelten Volkswirtschaften. Ziel der Bestechung ist der Abschluss von Verträgen mit Staatsbetrieben oder staatlich gelenkten Unternehmen.

Als Schutzbehauptung erweist sich, dass Konzernmanager und Führungskräfte von Schmiergeldzahlungen nichts wüssten: In 41 Prozent der Fälle wurde die Bestechung von Führungskräften vorgenommen oder zumindest abgesegnet. Immerhin jede zehnte Unternehmensleitung war in die illegalen Vorgänge involviert, schreibt die OECD in dem 45-seitigen Bericht - dem ersten seit Inkrafttreten des Übereinkommens gegen Bestechung ausländischer Amtsträger aus dem Jahr 1999.

Eine Schlüsselrolle spielen übrigens Mittelsmänner: Drei Viertel aller Auslandskorruptionsfälle liefen über zwischengeschaltete Institutionen, also Makler, Berater, Lobbyisten, örtliche Vertriebspersonen oder Firmen in Überseefinanzzentren. Angestellte staatseigener Betriebe führen die Liste derer an, denen Geld versprochen oder gezahlt wurde. Weit oben auf den Bestechungslisten stehen auch Zollbeamte sowie Mitarbeiter von Gesundheits- und Verteidigungsbehörden. "Im Durchschnitt flossen knapp 14 Millionen US-Dollar pro Bestechungsvorgang", erklärte die OECD.

Chefs kassierten mit

Richtig abgesahnt haben Staats- und Regierungschefs oder Minister. Sie waren zwar nur in fünf Prozent der Fälle Adressaten des Schmiergelds, streiften aber elf Prozent der aufgespürten illegalen Zahlungen ein. Wobei die OECD betont, dass diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges darstellten.

Stichwort Aufspüren: Von in- oder externen Whistleblowern an Justiz und Exekutive verpfiffen, wurde nur eine Minderheit von zwei Prozent der Schmiergeldfälle. Hingegen kam fast ein Drittel der Bestechungsfälle aufgrund von Selbstanzeigen in den Fokus der Ermittlungsbehörden, oder durch das Unternehmen selbst. Dennoch seien Whistleblower unverzichtbarer Bestandteil bei der Aufklärung, schreibt die OECD, die eine Verstärkung der Korruptionsbekämpfung fordert. Beim "Oil-For-Food" -Programm der Uno sei die unabhängige "Volcker-Commission" eine wesentliche Informationsquelle für Kick-backs an die frühere irakische Regierung gewesen (ung, DER STANDARD, 3.12.2014)

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