"Mobilfunk-Radar" soll Küsten vor Terror-Angriffen schützen

2. Dezember 2014, 14:19
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Fraunhofer-Institut in Bonn entwickelte System

Forscher wollen Deutschlands Küsten und Hafenstädte besser vor Terrorangriffen schützen. Sie befürchten, dass sich Terroristen den Küsten leicht und unbemerkt mit Speedbooten nähern könnten, um Sprengstoff an Land zu bringen.

Ein passives Radarsystem

Das Bonner Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) hat deshalb ein System entwickelt, das mit einer Art Mobilfunk-Radar küstennahe Meeresgebiete weiträumig überwachen kann. Bei Versuchen in der Ostsee vor Eckernförde und Fehmarn konnten die Wissenschafter mit ihrem Passive Coherent Location (PCL) genannten Verfahren wenige Meter große Speedboote in einer Entfernung von vier Kilometern verfolgen, wie Projektleiter Reda Zemmari am Dienstag sagte. Das von dem Institut entwickelte Mobilfunk-Radar ist ein passives Radarsystem ohne eigenen Sender.

Um verdächtige Boote zu entdecken, nutzen die Ingenieure die kontinuierlich ausgestrahlten Signale von Mobilfunksendemasten. Die PCL-Antenne fängt die von den Schiffen reflektierte Mobilfunkstrahlung auf. Werden zusätzlich noch elektrooptische oder Infrarot-Systeme eingesetzt, können auch Schnellboote erkannt und klassifiziert werden, mit denen sich Piraten Frachtschiffen nähern, sagte Zemmari.

"Das Mobilfunk-Radar kann auf einem kleinen Pkw-Anhänger transportiert werden und ist daher flexibel einsetzbar"

Bisher sei es für Terroristen leicht, sich Küsten mit Speedbooten zu nähern, um Sprengstoff an Land zu bringen. "Das Mobilfunk-Radar kann auf einem kleinen Pkw-Anhänger transportiert werden und ist daher flexibel einsetzbar", sagte Zemmari. Einzige Voraussetzung: Die Gebiete müssen von Mobilfunkstationen abgedeckt sein.

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts kann das Mobilfunk-Radar auch Flugzeuge vor Kollisionen mit Windrädern schützen. Hohe Windmasten müssen nachts mit Blinklichtern gesichert werden, um Hubschrauber- und Flugzeugpiloten zu warnen. Das rote Blinken stört jedoch viele Menschen. Die Wissenschafter wollen daher die Windräder mit Flugzeugdetektoren ausstatten, damit die roten Warnleuchten nur eingeschaltet werden, wenn sich ein Flugzeug nähert.

Zemmari betonte, dass das PCL-System keine Daten von Mobilfunknutzern ausspäht. "Wir verwenden ausschließlich das Betriebssignal der Sendestation, das keine Datenpakete von Kunden enthält." (APA, 2.12. 2014)

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