Kinder beschenken: Nicht der Wert, der Gedanke zählt

2. Dezember 2014, 14:00
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Worüber sich Kinder zu Weihnachten wirklich freuen und warum hinter den geäußerten Wünschen mitunter andere Wünsche stecken, erklärt eine Psychologin

"Weihnachtsgeschenke sollen Kindern im Idealfall Freude machen und gleichzeitig sinnvoll sein", sagt Andrea Mohapp, Psychologin an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde an der Medizinischen Universität Graz. Nicht der Geldwert sei entscheidend, sondern der Gedanke hinter dem Geschenk. "Zeit ist ohnehin eines der wichtigsten Geschenke an Kinder und Enkelkinder."

Mohapp empfiehlt vor allem klassische Gesellschaftsspiele für den weihnachtlichen Gabentisch. Diese Spiele würden eine Reihe an positiven Eigenschaften bieten: So trainieren Heranwachsende dabei beispielsweise soziale Kompetenzen. "Warten lernen, Beobachten von Emotionen und Gesichtszügen, sich an Spielregeln halten und verlieren zu lernen sind wichtige Dinge, die jedes Kind spielerisch und kindgerecht lernen kann", so die Psychologin.

Zeit zum Spielen

Für das gemeinsame Spielen sollten sich Eltern und Großeltern bewusst Zeit nehmen. Das stärke nicht nur den "familiären Zusammenhalt", sondern trage auch dazu bei, dass Kinder mit den neuen Spielen nicht überfordert sind. Die gezielte Förderung des kindlichen Spieltriebs ist laut Mohapp ein wichtiges Instrument in der Persönlichkeitsentwicklung und stärkt viele Fähigkeiten, die Kinder im späteren Leben brauchen. Im gemeinsamen Spiel lernen Heranwachsende das Planen von Handlungen und deren Konsequenzen, die Entwicklung von Lösungswegen, die Anwendung strategischen Denkens und Kreativität. Zusätzlich wird die Aufmerksamkeit trainiert und die Motorik bzw. Auge-Hand Koordination gefördert.

Dafür eignen sich vor allem Geschicklichkeitsspiele. Bei Computerspielen rät die Psychologin zu maßvollem Umgang. Die Spiele sollten auf jeden Fall altersgerecht ausgesucht werden und nicht zu exzessiv eingesetzt werden. Von gewaltverherrlichenden Spielen für jüngere Altersgruppen rät die Psychologin ab, da Kinder die darin gezeigte Gewalt oft nicht verarbeiten können. Besser seien "gesellschaftsfähige" Computerspiele wie Karaoke oder Strategiespiele.

Weniger ist mehr

"Unter dem Christbaum sollten nicht zu viele Geschenke liegen, das kann vor allem kleinere Kinder schnell überfordern", so Mohapp. Kinder würden an einer großen Geschenkeflut schnell das Interesse verlieren. Sie rät dazu, dass mehrere Verwandte gemeinsam ein größeres Geschenk kaufen. So lässt sich auch der Wunsch nach der Autorennbahn oder der Modelleisenbahn erfüllen. Wichtig ist, den Nachwuchs mit dem neuen Spielzeug nach der Bescherung nicht alleine zu lassen. Das Beschenken sollte so geplant sein, dass danach Zeit bleibt, um das neue Spiel gemeinsam auszupacken, aufzubauen und auszuprobieren.

Bücher gehen immer

Die Psychologin empfiehlt auch den Klassiker als Geschenk – das gute Kinderbuch. "Kinder sollten spielerisch lernen, wie Helden in einer Geschichte Probleme lösen, soziale Konflikte bereinigen oder mit Ängsten umgehen." Ideal sei es, wenn die Geschichten im Anschluss an die Lektüre gemeinsam besprochen werden, damit Kinder das Gelesene bearbeiten können.

Wünsche hinter den Wünschen

Hinter dem Wunsch nach einem flauschigen Haustier unter dem Christbaum kann sich laut Mohapp oft eine kindliche Sehnsucht nach mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit verbergen. "Haustiere stellen nur dann ein geeignetes Geschenk dar, wenn Betreuungspflichten und Zeitressourcen klar geregelt sind. Dies setzt ein gewisses Alter des Kindes voraus", so die Expertin. (red, derStandard.at, 2.12.2014)

  • Ein Kind holt sich ein Geschenk vom traditionellen Kletterbaum im Schweizer Städtchen Sursee.
    foto: apa/keystone/sigi tischler

    Ein Kind holt sich ein Geschenk vom traditionellen Kletterbaum im Schweizer Städtchen Sursee.

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