Fifa: Ein Sittenbild, wie von Picasso gemalt 

2. Dezember 2014, 10:01
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Die Geheimniskrämerei um die Ermittlungen zu den WM-Vergaben an Russland und Katar sorgt für eine Flut an neuen Enthüllungen und Gerüchten über Korruption im Umfeld des Weltfußballverbandes

Zürich - Die Bemühungen, etwas unter der Decke zu halten, zeitigen für gewöhnlich viel heiße Luft. Aber nicht alles, was dann doch irgendwie an die Öffentlichkeit dringt, ist völlig substanzlos. Seit der Weltfußballverband (Fifa) in der ihm eigenen Offenheit bekanntgab, die Ergebnisse der Ermittlungen seiner eigenen Ethikkommission zu den WM-Vergaben 2018 und 2022 unter Verschluss halten zu wollen, sprudeln verschiedene Informationsquellen regelrecht.

Die Sunday Times ging mit Informationen an die Öffentlichkeit, die allerdings auch die der russischen für 2018 unterlegene englische WM-Bewerbung in ein schlechtes Licht rücken. So sollen britische Spione eine Datenbank durch systematisches Ausspähen der Mitwerber erstellt haben - auch aus Sorge, dass Russland ebenso vorgeht. Dass die Zeitung ihren Zund aus dem britischen Sportministerium hat, erscheint kurios, könnte aber vielleicht auch anderes glaubhafter erscheinen lassen.

Unter Kunstfreunden

So soll Michel Platini, der Präsident des europäischen Fußballverbandes (Uefa), vor der Entscheidung der Fifa-Exekutive am 2. Dezember 2010 in Zürich aus Russland ein Pablo Picasso zugeschriebenes Gemälde erhalten haben. Der 59-jährige Franzose, der überraschend nicht gewillt ist, im Mai 2015 Joseph S. Blatter das Amt des Fifa-Präsidenten streitig zu machen, dementierte. Er werde seine Anwälte mit den "Anfeindungen" befassen, die er ein "lächerliches Gerücht" nennt.

Die Ethikkommission um Chefermittler Michael Garcia soll jedenfalls kein Belastungsmaterial gegen Platini gefunden haben. Sehr wohl werde gegen andere einschlägig Prominente, auch gegen hochrangige Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees, ermittelt. Im Fokus dürfte tatsächlich auch Franz Beckenbauer stehen, der von Jänner 2007 bis Juni 2011 der Exekutive angehört hatte. Jedenfalls ließ der 69-Jährige auf Anfrage der Times durch einen Sprecher mitteilen, "zum Thema WM-Bewerbung keine Aussagen oder Interviews" machen zu können. Zumindest "solange die Untersuchungen laufen".

"Kaisers" Wirken

Ein Gerücht besagt, dass Berater die Stimme des Kaisers der dann gescheiterten australischen Bewerbung für 2022 angeboten haben sollen. Fix ist, dass Beckenbauer eineinhalb Jahre nach der Vergabe der WM 2018 an Russland als Botschafter der russischen Gasindustrie wirkte.

Der russische Präsident Wladimir Putin (62) wiederum soll Fifa-Boss Blatter als Stimmensammler angeheuert haben. Beweise gibt es nicht. Den 78-jährigen Schweizer lassen die Vorwürfe sowieso kalt. Am Wochenende genoss er bei der Versammlung der asiatischen Föderation AFC warmen Applaus der 400 Delegierten, die seine Versicherung, dass die WM 2022 sicher in Katar stattfinden werde, sehr gerne hörten.

Nasser Al-Khater, Kommunikationschef der WM, ist sich ohnehin "ziemlich sicher, dass das Thema die Leute langsam ermüdet". Der Sunday Times drohte Al-Khater subtil. Allein die Tatsache, dass deren Veröffentlichungen mit parlamentarischer Rückendeckung erfolgten, "sagt mir, dass sie Schutz brauchen". (sid, lü, 01.12.2014)

  • Michel Platini, Joseph S. Blatter und Franz Beckenbauer (von links) beim  "Sepp Blatter Turnier 2007". Heute würden der Uefa-Präsident, der  Fifa-Chef und der "Kaiser" nicht mehr gemeinsam auflaufen.
    foto: ap/gillierom

    Michel Platini, Joseph S. Blatter und Franz Beckenbauer (von links) beim "Sepp Blatter Turnier 2007". Heute würden der Uefa-Präsident, der Fifa-Chef und der "Kaiser" nicht mehr gemeinsam auflaufen.

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