Europas Leitbörsen schließen einheitlich im Minus

9. Dezember 2014, 22:47
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Schwache Vorgaben aus Asien - Baldige Fed-Zinswende erwartet - EU treibt Wachstumsprogramm voran

Frankfurt am Main - Die europäischen Leitbörsen sind am Dienstag einheitlich mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Der Euro-Stoxx-50 verbilligte sich um 85,22 Einheiten oder 2,62 Prozent auf 3.162,77 Zähler.

Nach einem Kursrutsch Chinas Aktienmärkte, konnten auch die Wall Street keine positive Impulse setzen. Händler verwiesen auf die neuen Vorgaben der chinesischen Regierung bei der Hinterlegung von Wertpapieren für Refinanzierungsgeschäfte der chinesischen Banken sowie Gewinnmitnahmen zurück.

Die verbesserte US-Lohnentwicklung ist ein weitere Indikator für die solide Konjunktur der USA. Vor diesem Hintergrund rückt die FOMC-Sitzung der US-Notenbank Fed in den Fokus, die in der kommenden Woche ansteht. "Sollte die Forward Guidance, wonach die Leitzinsen noch für eine beträchtliche Zeit auf dem derzeit niedrigen Niveau verharren, tatsächlich wegfallen, dürften die Zinsfantasien deutlich zunehmen", kommentierten die Experten der Helaba. Damit wäre der Boden für eine Zinserhöhung im ersten Halbjahr 2015 bereitet - es wäre die erste seit dem Sommer 2006.

Außerdem verzeichnete Deutschland im Oktober einen Exportrekord. Die Ausfuhren lagen bei 103,9 Mrd. Euro und damit über dem bisherigen Ausfuhrrekord vom September. Jedoch gaben die Daten kaum Impulse.

Zudem wurde bekannt, dass es in der Europäischen Zentralbank (EZB) laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Berechnungen zu den möglichen Auswirkungen des umstrittenen Anleihekaufprogramms gibt. Der Kauf von Anleihen - überwiegend Staatsanleihen - im Volumen von einer Billion Euro hätte diesen Berechnungen zufolge eher kleine Effekte auf die Inflationsrate. Verschiedene Simulationen ergäben einen Inflationsschub von 0,15 bis 0,6 Prozentpunkten. Die Teuerungsrate im Euroraum war im November auf 0,3 Prozent gesunken - im Dezember könnte sie wegen des niedrigen Ölpreises unter die Nulllinie fallen.

Zusätzlich treibt die Europäische Union ihr angekündigtes Wachstumsprogramm gegen die hartnäckige Wirtschaftsflaute und die hohe Arbeitslosigkeit voran. Experten präsentierten den EU-Finanzministern eine Sammlung von Projekten, die bis 2017 Investitionen von bis zu 500 Mrd. Euro auslösen könnten. Was tatsächlich vom geplanten EU-Wachstumsfonds gefördert wird, soll aber frühestens Mitte 2015 feststehen.

Unter den Einzeltiteln fielen die Papiere der Lufthansa 3,59 Prozent. Die Austrian Airlines (AUA) hat im November wegen der Ukraine-Krise mit einer schwachen Nachfrage gekämpft. Die Passagierzahlen brachen im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 769.000 Fluggäste ein. Die AUA hat zwar ihr Flugangebot gekürzt, die Nachfrage ging aber stärker zurück. Die Auslastung sank um 3,1 Prozentpunkte auf 73,2 Prozent.

Auch die Bergbau-und Ölkonzerne wurden angesichts der weiter schwachen Preise für Rohstoffe und Öl gemieden. Die Titel von Neste Oil sanken 2,93 Prozent, die Papiere von Total S.A. fielen 2,49 Prozent und die Aktien von E.on verschlechterten sich um 3,43 Prozent.

Die Anteilseigner der Deutschen Bank reagierten verschnupft auf den neuen Rechtsstreit. Die Papiere fielen um 3,73 Prozent. Die USA verklagen Deutschlands größtes Geldhaus wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe. Wenngleich die Summe im Vergleich zu anderen Verfahren nicht sonderlich hoch sei, dürfte es der Stimmung der Investoren kaum zuträglich sein, sagte ein Händler.

Auch die Telekombranche blieb vom Sog in den roten Bereich nicht verschont. Die Titel von Orange S.A. sanken über fünf Prozent und die Papiere von Telefonica fielen 2,45 Prozent. (APA, 9.12.2014)

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