"Tatort": Deutschland im Krieg - top oder flop?

Ansichtssache30. November 2014, 17:58
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Der Krieg ist in Deutschland angekommen. Das ist er eigentlich längst, in den vielen Kriegsflüchtlingen ebenso wie in den Verstrickungen, die sich aus den deutschen Rüstungsexporten ergeben.

foto: ndr/christine schroeder

Dank dem jüngsten Oldenburger "Tatort": Die Feigheit des Löwen ist er es nun auch im Sonntagabendprogramm. Das ist erst einmal gut.

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Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller ermitteln im Fall eines Passfälschers. Ein Schleuser wird von einem Streifenpolizisten erschossen, aber das interessiert hier nicht weiter. Statt dessen taucht ein toter Deutsch-Syrer auf, und mit ihm ein ornamental anmutendes Geflecht aus Familien- und Freundschaftsbeziehungen. Wie man sich im Westen halt das gesellschaftliche Leben im Orient so vorstellt.

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Selten gelungen ist, wie Regisseur Marvin Kren Schüsse über nächtliche deutsche Stadtansichten legt, wie er Sebastian Schipper als Kollege von Kommissar Falke im Krankenhaus an Beinamputierten und Verletzten mit blutigen Verbänden vorbeilaufen lässt, als wäre es ein Lazarett und keine deutsche Notaufnahme.

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Dann wird der Fall zu einer wüst-verworrenen Geschichte rund um Kriegsverbrechen und Rache, Ärzte ohne Grenzen und Familienbande, deutsche Betroffenheit und tiefe Traumata. Karoline Eichhorn läuft in ihrer Rolle als Frau eines syrischen Arztes bedeutungsschwer dreinschauend durch die Handlung, auch wenn man die ganze Schrecklichkeit schon beim ersten Blickwechsel nicht übersehen konnte.

Zwischendurch freundet sich Kommissar Falke (platonisch) mit einem Flüchtlingskind und (nicht platonisch) mit seiner Kollegin Lorenz an. Diese Nacht lässt ihn ratlos zurück. Ratlos macht auch diese Geschichte. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 1.1.12.2014)

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"Unbedingt" einschalten, empfiehlt Der Spiegel.

Drehbuchautor Friedrich Ani mute den Zuschauern einiges zu, meint die Berliner Zeitung.

Einen überambitionierten Flirt beobachtet Holger Gertz in der Süddeutsche - den Fall findet er eher anstrengend.

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