Auch Nicht-Euro-Staaten sollen bei EU-Bankenunion mitmachen

30. November 2014, 17:23
7 Postings

Erste-Bank-Vorstand fordert Einlagensicherungs-Selbstbehalt für kleine Sparer

Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) braucht Instrumente, um ausländischen Online-Banken, die mit höheren Zinsen um Anlegergelder werben, genauer auf die Finger zu schauen. Das forderte FMA-Vorstand Harald Ettl bei einer von der Standard moderierten Diskussion des Finanzmarketing Verbandes Österreich (FMVÖ) über die Bankenunion. Jede Bank mit EU-Lizenz könne in Österreich anbieten, "selbst wenn wir wissen, dass sie in Schieflage ist" und die Einlagensicherung des Heimatlandes möglicherweise überfordert ist. Derzeit könne die FMA fast nichts tun.

Für Erste-Bank-Vorstandschef Thomas Uher ist das Hauptmanko der Bankenunion die Tatsache, dass Nicht-Euro-Staaten an ihr nicht teilnehmen. Man müsse vor allem den osteuropäischen Nachbarländern attraktive Angebote machen, damit sie sich ebenfalls der Bankenunion mit ihrer gemeinsamen Aufsicht anschließen. Uher warnte auch davor, die etablierten Geschäftsbanken mit strengen Auflagen zu belasten, gleichzeitig aber die Vielzahl von Schattenbanken außer Acht zu lassen. Er trat dafür ein, auch kleine Sparer mit einem Selbstbehalt von etwa zehn Prozent bei der Einlagensicherung zu beteiligen. Das würde Anreize bieten, neben der Höhe der Zinsen auch die Solidität einer Bank zu beurteilen.

Für diesen Vorschlag zeigte Stefan Pichler, Bankexperte an de WU Wien, viel Sympathie, während Nationalbank-Vizegouverneur Andreas Ittner vor einer solchen Beteiligung warnte. Denn selbst bei der Gefahr moderater Verluste würden kleine Anleger sofort ihr Geld abziehen und das gesamte Finanzsystem destabilisieren. Er betonte, dass Anleger lernen müssen, dass es mehr Rendite nur durch mehr Risiko gibt.

Insgesamt zeigten sich die Diskutanten beeindruckt von den Fortschritten der Eurozone bei der Bankenstabilisierung. Die Bankenunion sei "kein Allheilmittel, aber ein Paradigmenwechsel", sagte Ittner, und Ettl sprach von einem "Gewaltakt". Die Vorbereitungen auf einen möglichen Kollaps seien noch lange nicht perfekt, räumte Stephan Koren, Chef der in Abwicklung befindlichen ÖVAG, ein. (red, DER STANDARD, 2.12.2014)


Share if you care.