Stronach dreht Magna Racino den Hahn ab

30. November 2014, 17:13
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2015 keine Pferderennen mehr in Ebreichsdorf

Ebreichsdorf - Kürzlich hat Trainer Hubert Brandstätter, der die Traber seiner Besitzer auf der Rennbahn in Ebreichsdorf stationiert hat, einen Brief erhalten. Die Racino-Geschäftsleitung teilte ihm mit, dass die Miete für Pferdeboxen von 90 auf 150 Euro erhöht und dass es 2015 - der wahre Tiefschlag - keine Pferderennen mehr im Racino geben wird. Brandstätter war "von den Socken". Ebenso Isabella Copar, die Geschäftsführerin des Austrian Racehorse Owners Club AROC. Sie hatte mit viel Einsatz in den letzten Jahren die Rennen organisiert, wobei der AROC auf Unterstützung von Frank Stronach angewiesen war. Die machte zuletzt 200.000 Euro im Jahr aus. Jetzt streicht er sie. Kommt einem aus den politischen Nachrichten der letzten Wochen schon bekannt vor.

Fakt ist: Ohne diese Mittel wäre der Rennbetrieb, den Stronach vor zehn Jahren mit einer Investition von 100 Millionen Euro in die Racino-Anlage und großen Plänen begonnen hatte, längst nicht mehr zu finanzieren gewesen. Die Wettumsätze, normalerweise Basis des Rennsports, waren von Anfang an gering und kamen an die Zahlen in der Krieau nicht heran. Der Galopprennsport, den Stronach aus der Freudenau nach Ebreichsdorf verlagert hatte, schrumpfte (2014 nur mehr 38 Rennen). Weniger Pferde, weniger Rennen, weniger Zuseher, also noch weniger Pferde - ein fataler Kreislauf.

Trainer Gerard Martin, der in Ebreichsdorf acht Vollblüter trainiert, ist geschockt. "Einige Besitzer haben erst kürzlich in England und Frankreich noch Pferde erworben." Die muss er nun wohl im Ausland an den Start bringen. Isabella Copar hat eine kleine Hoffnung: "Ich versuche mit Frank zu sprechen. Außerdem würden uns die vereinbarten Renntage mit PMU einige Mittel sichern." Die französische Wettgesellschaft wird mit ihren TV-Übertragungen und Wetten im kommenden Jahr 17 Renntage aus Österreich einspielen. Copar hofft, in Ebreichsdorf wenigstens fünf Renntage veranstalten zu können. Aber dazu benötigt sie auch Sponsoren. Von Stronach dürfte kaum etwas zu erwarten sein. (dol, DER STANDARD, 1.12.2014)

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