Kindesmissbrauch: Papst entschuldigte sich telefonisch

1. Dezember 2014, 09:00
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Papst Franziskus entschuldigte sich per Telefon persönlich bei einem Missbrauchsopfer im südspanischen Granada wegen wochenlanger Untätigkeit der Kirche

Granada - Anfang August läutete das Telefon des 24-jährigen Lehrers, der - "Daniel" genannt - anonym bleiben will, in seiner Wohnung im Zaídin, einem Arbeiterklassenbezirk im südspanischen Granada. Am anderen Ende der Leitung: Papst Franziskus. "Für das schrecklichste Verbrechen und die größte Sünde" sprach der Heilige Vater seine Entschuldigung aus und riet ihm zur Anzeige.

Der Anruf war die Reaktion auf einen Brief des Mannes, den dieser vor dem Sommer an den Pontifex geschrieben hatte. Außerdem schilderte der Spanier Anfang Oktober der Polizei jahrelange Misshandlungen durch Geistliche aus der Bezirkspfarre und Vorstadtgemeinden - vom elften Lebensjahr bis zur Volljährigkeit.

Wochen verstrichen, doch nichts geschah. Nochmals läutete das Telefon des 24-Jährigen. Nochmals Franziskus. Diesmal entschuldigte er sich für die Untätigkeit des Erzbistums.

Zwölf verdächtige Priester und Lehrer

"Die Wahrheit kann man nicht verstecken", sagte der Papst vergangene Woche, auf die Geschehnisse in Granada angesprochen: Es bereite ihm "größten Schmerz". Schließlich agierte der päpstlich gerügte Erzbischof Granadas, Francisco Javier Martínez, und stellte zehn Priester temporär dienstfrei. Andalusiens Regionalregierung suspendierte zwei beschuldigte Religionslehrer. In einer demütigen Geste während des Gottesdienstes taten der Erzbischof und einige Priester bäuchlings am Kathedralenboden liegend Buße.

Es klickten die Handschellen für vier Beschuldigte. Doch die Priester und Religionslehrer wurden lediglich auf freiem Fuß angezeigt. Sie dürfen keinen Kontakt untereinander und zu den mutmaßlichen Opfern haben. Alle 15 Tage haben sie bei der Justiz vorstellig zu werden. Ihr Strafverteidiger teilte mit, dass seine Mandanten jegliche Schuld bestreiten.

Wie eine Sekte

Als Einziger musste Padre Román M. V. 10.000 Euro Kaution hinterlegen. Er soll Kopf des nach ihm benannten "Romanones"-Clans sein - welcher der Zeitung "El País" zufolge "wie eine Sekte agierte". Eine, "die ihre Opfer einer Gehirnwäsche unterzog", um diese mehrmals wöchentlich "zu brutalen, sexuellen Handlungen zu zwingen".

Die Kaution von M. V. war prompt hinterlegt. Peanuts für den Priester, dessen Immobilienvermögen 19 Wohnungen umfasst, Strand- und Landhäuser inklusive - Orte, wo es auch zu Verbrechen gekommen sein soll. Der Reichtum des Geistlichen entstamme laut der Lokalzeitung "Ideal" der Erbschaft einer Apothekerin. Angehörige kündigten an, das Erbe anzufechten, denn man habe die Verstorbene zur Testamentsänderung gedrängt. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 1.12.2014)

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