Die späte Premiere der Eva-Maria Brem

30. November 2014, 13:28
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Demütig und dankbar kommentierte 26-Jährige aus Münster ersten Sieg - Vor wenigen Monaten Sinnfrage mit Besuch der "ein oder anderen Bar"

Aspen – Im Februar hatte sich Eva-Maria Brem die Sinnfrage gestellt und überlegt, ob es nach der Nichtnominierung für Olympia in Sotschi nicht besser wäre, die Ski ins Eck zu stellen. Zehn Monate später hat die Tirolerin ihren ersten Weltcupsieg gefeiert. "Ich bin so dankbar", sagte die 26-Jährige nach ihrem Riesentorlauf-Triumph in Aspen, der sie wohl erstmals auch zu einer WM bringen wird.

Denn Brem ist zwar schon neun Jahre im Weltcup dabei, für einen WM-Startplatz hatte es bisher aber nicht gereicht. "Immer ist irgendwas dazwischengekommen", sagt die Tirolerin, die 2010 bei Olympia in Whistler Mountain Siebente in ihrer Spezialdisziplin geworden war. Bei der Heim-WM 2013 in Schladming war für die Technik-Spezialistin kein Platz mehr. Dass sie dann Anfang 2014 auch für Sotschi keine Berücksichtigung fand, sollte letztlich zum Karriere-Wendepunkt werden.

Karriere-Ende abgewendet

Denn in der Zwangspause wurde nachgedacht und trainiert. "Es war wirklich knapp", erklärte Brem, wie nahe sie damals einem Karriere-Ende gekommen war. Fast wichtiger als die intensiven Skitests mit ihrem Ausrüster Völkl sei aber gewesen, dass sie mit sich selbst ins Reine kam. "Ich habe damals wohl auch die eine oder andere Bar in Innsbruck aufgesucht", blickt die Zoll-Angestellte zurück. "Irgendwann kam der Moment, an dem mir klar wurde, dass ich noch nicht aufhören will" – und damit meint sie die Skifahrerei, nicht die Barbesuche – "dass es um mein Leben, um meine Karriere und um meine besten Jahre geht."

Seitdem hört und vertraut Brem vor allem auf sich selbst. "Ich weiß, was gut und richtig ist für mich. Deshalb kann ich das alles jetzt auch so sehr genießen", erklärt sie. Die Trainer seien anfangs etwas überrascht gewesen. "Dann aber war schnell Unterstützung da." Einer, der sie in diesem Glauben an die eigenen Fähigkeiten bestärkt hat, ist Gerhard Außerlechner. Der erfahrene Kondi-Coach hat auch Marlies Schild und Benjamin Raich immer wieder fit gemacht, seit zwei Jahren trainiert auch Brem mit ihm.

Langer Weg an die Spitze

Der erste Sieg für Brem kam im 96. Weltcuprennen. Sie war als 17-Jährige im Winter 2005/06 stark in den Weltcup gestartet, hatte schnell als Siegfahrerin in spe gegolten. "Schon nach fünf Rennen habe ich mich nah dran gewähnt", erinnerte sich Brem. "Aber irgendwie war dann bei mir immer alles knapp." Im November 2009 kam sie als beste Österreicherin in der Riesenslalom-Weltrangliste nach Aspen und wurde Fünfte. Doch statt des überfälligen Durchbruchs ereilte sie im folgenden April ein Schien- und Wadenbeinbruch auf der Touristenpiste. Der Weg zurück sei ziemlich hart gewesen. "Aber ich bin keine, die leicht unterzukriegen ist und wegrennt, wenn es schwierig wird."

Kathrin Zettel war am Samstag hinter Brem als Zweite angekommen und hatte damit vor dem Slalom am Sonntag die Weltcupführung übernommen. Neben Zettel und Anna Fenninger, die nach etlichen Fehlern als Zwölfte ankam, sollte auch Brem schon für die WM im Februar (Vail, Beaver Creek) qualifiziert sein. Schließlich war sie zu Saisonbeginn in Sölden als Dritte angekommen. "Es ist davon auszugehen, dass Eva bei der WM dabeisein wird", bestätigte auch Damenchef Jürgen Kriechbaum.

Genuss

Nach der finalen Zieldurchfahrt war Brem schluchzend in den Schnee gefallen. Und es dauerte eine Zeit, bis sie sich wieder gefasst hatte. "Dieser Sieg gehört vielen Menschen. Auch all jenen, die mir geholfen haben." Sie lebe, sagt Eva-Maria Brem, "im Hier und Jetzt. Ich genieße es, wie es ist". Die Sinnfrage stellt sich jedenfalls nicht mehr. (APA, fri, DER STANDARD, 1.12.2014)

  • Eva-Maria Brem hat sich endlich den Traum vom Weltcup-Sieg erfüllt.
    foto: apa/epa/mabanglo

    Eva-Maria Brem hat sich endlich den Traum vom Weltcup-Sieg erfüllt.

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