Anwalt: Festgenommener Mirsad O. kein Hassprediger

29. November 2014, 18:21
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Anwalt Binder weist Vorwurf der Rekrutierung von Jihadisten für Syrien zurück: "Davon kann doch keine Rede sein"

Wien/Graz - Der nach den insgesamt 13 Festnahmen bei einer Großrazzia gegen mutmaßliche Jihadisten in Wien, Graz und Linz als Hauptverdächtiger geltende Mirsad O. (Ebu Tejma) sei kein Hassprediger. Das sagte O.s Anwalt Lennart Binder dem "Kurier". Seinem Mandanten werde die Ausreise von "einem Dutzend Jugendlicher" nach Syrien in den sogenannten Heiligen Krieg vorgeworfen.

Binder wies diese Anschuldigung zugleich zurück: "Davon kann doch keine Rede sein." Demnach nannten die Ermittler die Namen der offenbar ausgereisten Personen. Einige habe der Verdächtige aber "gar nicht gekannt", wurde Anwalt Binder zitiert. O. habe den Ermittlern sogar das Beispiel eines Jugendlichen genannt, der bereits auf dem Weg nach Syrien gewesen sei, und den er zur Umkehr bewogen habe.

Verfälschte Versionen der Reden

Die im Internet von O. kursierenden Reden seien ohne dessen Autorisierung in einer gekürzten und damit verfälschten Version ins Netz gestellt worden, so der Anwalt, der schon in den Islamisten-Prozessen gegen Mohamed M. und Mona S. 2008/09 sowie Thomas Al J. 2012 die Verteidigung übernommen hatte, weiter. Die Reden enthielten "keinen Aufruf, in den Heiligen Krieg nach Syrien zu ziehen".

Anwalt: "Konfuse" Vorwürfe

Laut Binder wurde O. am Freitag mit ersten Telefon-Protokollen konfrontiert - abgehörte Gespräche hatten die Razzien und Festnahmen vom Freitag nach sich gezogen. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten seien "konfus", man könne durch die wenigen Wortfetzen "jeden Zusammenhang herstellen", sagte Binder dem "Kurier". O. habe noch am Freitag die Befragung durch die Ermittler abgebrochen. Heute hätte eine Fortsetzung stattfinden sollen, auf Anraten Binders verzichtete der 32-jährige Verdächtige aber darauf.

Das Urteil in einem Prozess gegen Medien, die O. als Hassprediger bezeichnet hatten, in dem der Richter diese Bezeichnung für O. als legitim betrachtete, sei "noch nicht rechtskräftig", betonte der Verteidiger. Laut Medienberichten soll O. mehrfach als Gast Vorträge und Predigten in der Altun Alem-Moschee in Wien-Leopoldstadt gehalten haben. Die Moschee gelte seit langem als Treffpunkt Radikaler und sei unter Beobachtung der Behörden gestanden.

In dem Ermittlungsverfahren gegen die 13 Festgenommenen geht es laut der federführenden Staatsanwaltschaft Graz um den Verdacht der Mitgliedschaft in terroristischen Vereinigungen "im Zusammenhang mit der Rekrutierung junger Menschen für den syrischen Bürgerkrieg". (APA, 29.11.2014)

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