"Vorstand hatte Risiken nicht im Griff"

28. November 2014, 18:30
1 Posting

Die kärntner Hypo soll schon unter der bayerischer Regentschaft faktisch überschuldet gewesen sein

Die Republik hat im Kampf gegen die BayernLB rund um die Lastenteilung der Hypo-Sanierungskosten keine gute Woche hinter sich gebracht. Die beim Münchner Prozess verhandelte Thematik Eigenkapitalersatz lief für die Österreicher nicht nach Wunsch.

Die Vorsitzende Richterin Gesa Lutz schloss die Zeugeneinvernahme mit einer Zwischenbilanz ab, in der sie Wien wenig Hoffnung machte. Die Zeugen hatten fast durch die Bank gegen die Vorwürfe der Hypo argumentiert, wonach das Kärntner Institut schon unter bayerischer Regentschaft faktisch überschuldet gewesen sei. Lutz quittierte das mit der Aussage: Die befragten Mitarbeiter der BayernLB hätten einen seriösen Eindruck hinterlassen, auch mehrere Aufsichtsräte wie Grawe-Chef Othmar Ederer hätten angegeben, dass sich die Münchner bei der Hypo um eine Verbesserung der Steuerung und der Prozesse gekümmert hätten. Dass die Bayern von den Kapitallöchern wussten, wie von den Österreichern behauptet, hatte kein Zeuge bestätigt.

Davor hatte es in der Beweisaufnahme schon einige bisher in diesem Ausmaß nicht bekannte Facetten im Dauertauziehen um das Überleben der Hypo gegeben. So brachte die österreichische Seite ein Schreiben des von den Bayern entsandten Risikovorstands Andreas Döhrhöfer vor, in dem er sich bitter über die Bank beschwerte. Diese sei ein Restrukturierungsfall. Der Vorstand der Hypo spreche immer von Durststrecke oder Frühjahrsputz und suggeriere, dass die Welt bald wieder in Ordnung sei. Dem sei aber nicht so, wurde aus Döhrhöfers Schreiben aus dem Herbst 2008 zitiert.

Problemverweigerung

Damals saß übrigens Tilo Berlin auf dem Chefsessel der Hypo, an dem auch Bayern-Vorstand Stefan Ermisch kein gutes Haar ließ. An Aussagen von 2009, wonach der Chef der Hypo ein Träumer und problemverweigernd sei, konnte sich Ermisch zwar nicht genau erinnern, bestätigte diese Haltung aber indirekt: "Wir haben den Vorstandschef dann ausgewechselt."

Noch einmal aufgearbeitet wurden in München auch die Verluste von 2008, die dann zum ersten Engagement der Republik führten, die 900 Mio. Partizipationskapital einschoss. Die hohen Wertberichtigungen hätten "das Grundvertrauen erschüttert", hatte der damalige BayernLB-Chef Michael Kemmer ausgesagt. Auch Ermisch ließ wachsende Distanz der Mutter zur missratenen Kärntner Tochter erkennen. Als zum Halbjahr 2009 die Kreditvorsorgen auf Niveau der Planungen für das Gesamtjahr angelangt waren, sei klar geworden, "dass der Vorstand die Risiken nicht im Griff hat", sagte Ermisch. Deshalb wurde eine Prüfung eingeleitet, die von PwC durchgeführt wurde, Wertberichtigungen von 1,3 Mrd. Euro und somit die Verstaatlichung brachte.

Richterin Lutz deutet an, dass der Sonderbericht eine Art Zäsur darstelle. Die von der BayernLB gewährten Darlehen an die Hypo wurden großteils davor gewährt: "Das werden wir würdigen." Die Streitparteien haben nun Zeit bis Ende Jänner, neue Stellungnahmen einzureichen. Mit einer Wiederaufnahme des Prozesses wird im März gerechnet. (Andreas Schnauder aus München, DER STANDARD, 29.11.2014)

Share if you care.