Empfang in Türkisblau für den Papst in Ankara

28. November 2014, 17:15
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Franziskus begann seinen dreitägigen Besuch in der selbstbewusst gewordenen Türkei mit Dank für die Aufnahme von 1,5 Millionen Syrern

Eine kleine Limousine haben sie dann zumindest gefunden für den Papst, der lieber in einem ein fachen Fiat herumgefahren wäre und auf gar keinen Fall in einem rollenden Luxusschiff mit abgedunkelten Fensterscheiben: Für Franziskus, den "Armenpapst" aus Argentinien, hat das türkische Staatsprotokoll ein Zugeständnis gemacht. Der Pontifex der römisch-katholischen Kirche wurde Freitag in Ankara von Staatspräsident Tayyip Erdogan empfangen – als erster ausländischer Gast im neuen, wegen seiner Kosten so umstrittenen Präsidentenpalast.

Türkisblau ist nun die Farbe der "neuen Türkei", die Erdogan ausgerufen hat. Nicht länger das Dunkelrot aus dem Westen, das seit den Tagen des Republikgründers Kemal Atatürk in den 1920er- und 1930er-Jahren wie überall sonst die Staatsempfänge dekoriert. Von einer Reitergarde in türkisblauen Uniformen ist Franziskus deshalb auf seiner Fahrt in Ankara begleitet worden; auf einem türkisblauen Teppich von der Länge einer Landepiste ging er auch mit Erdogan in den Palast.

Syrien im Fokus

Der erste Teil der dreitägigen Reise in die Türkei ist als "Höflichkeitsbesuch" angekündigt worden: Franziskus legte einen Kranz im Atatürk-Mausoleum nieder und machte dem Präsidenten in Ankara seine Aufwartung, bevor er am Samstag zu seinem eigentlichen Ziel fährt, nach Istanbul, an den Sitz des Patriarchen der orthodoxen Kirche. Doch der Bürgerkrieg in Syrien, die Kämpfe im Irak und die Flüchtlingsfrage sind schnell zum politischen Thema der Papstreise geworden.

Es wurde erwartet, dass Franziskus dem türkischen Präsidenten beim privaten Gespräch für die Aufnahme von mittlerweile mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen dankt, darunter auch Christen. In seiner Rede vor dem Europaparlament hatte das Kirchenoberhaupt bereits kritische Worte für die Europäer gefunden, die nur zögerlich den flüchtenden Syrern zu Hilfe kommen.

11.000 Polizisten im Einsatz

Franziskus werde während seines Besuchs auch auf die Notwendigkeit einer gemeinsam verhandelten Friedenslösung für den Nahen Osten hinweisen, hatte der Staatssekretär des Vatikans, Pietro Parolin, im Vorfeld angekündigt; ausreichend allgemeine Botschaften für eine Verständigung mit Tayyip Erdogan, der nicht müde wird, die Tatenlosigkeit des Westens und dessen Parteinahme für Israel zu kritisieren.

11.000 Polizisten sind für die Sicherheit des Papstes in der Türkei aufgeboten. Franziskus will in Istanbul die Blaue Moschee und die Hagia Sophia besuchen, eine Messe in der katholischen Kirche Saint-Esprit feiern und vor allem eine gemeinsame Erklärung mit Bartholomeos I., dem Patriarchen, über den Dialog der beiden Kirchen unterschreiben. Und bescheiden soll es dabei bleiben: In Istanbul übernachtet der Papst im Haus des Konsuls des Vatikans; ein Fünf-Sterne-Hotel wollte er nicht. (Markus Bernath aus Istanbul, DER STANDARD, 29./30.11.2014)

  • Die Reise von Papst Franziskus in der Türkei begann mit Höflichkeiten in Ankara. Diese tauschte er mit Präsident Tayyip Erdogan aus.
    foto: epa/alessandro di meo

    Die Reise von Papst Franziskus in der Türkei begann mit Höflichkeiten in Ankara. Diese tauschte er mit Präsident Tayyip Erdogan aus.

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